«Stimmen aus dem Süden»

Nahrungsmittelkrise abwenden

30.06.2022
Die Koordinator:innen von Fastenaktion berichten über die Lebensumstände in ihren Ländern. Hier folgen die Stimmen von Djibril Thiam und Ndeye Wade, Koordination im Senegal bei Fastenaktion.
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier die Stimmen von Djibril Thiam und Ndeye Wade, Koordination im Senegal bei Fastenaktion.

«Zu Beginn war die Bevölkerung Senegals nicht sehr besorgt über diesen Krieg in der Ukraine, da er für sie sehr weit weg von unserem Land stattfindet. In den Medien wurden lediglich einige Informationen über die russischen Angriffe und die Reden des ukrainischen Präsidenten wiedergegeben. Doch das Bewusstsein hat sich gewandelt. Dieser Krieg betrifft auch uns. Denn das, was wir im Senegal lieben und viel essen, nämlich Brot, kann nicht ohne das Getreide aus der Ukraine gebacken werden. Mittlerweile ist den Menschen klar, dass dieser Krieg aufhören muss, und alle beten für ein rasches Ende.

In Knappheitsperioden hilft den Frauen der Solidaritätsgruppen der gemeinschaftlich angelegte Nahrungsmittelvorrat.
Eigenanbau statt Import
Die Grundnahrungsmittel Weizen und Mais sind sehr viel teurer geworden, weil sie mehrheitlich importiert werden. Zwar hat der Staat Subventionen eingeführt, doch es ist ungewiss, wie lange er diese finanzielle Unterstützung leisten kann. Zudem befürchten Expert:innen, dass Unternehmen geschlossen werden müssen und viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Denn der Senegal exportierte Fisch, Schalentiere, Erze, Schlacke und Asche in die Ukraine.

Selbst wenn der Krieg heute aufhört, sind wir im Senegal in den kommenden Monaten nicht vor einer schweren Hungersnot gefeit. Derzeit suchen wir mit den Menschen in den Projekten nach Möglichkeiten, um die Folgen einer möglichen Nahrungsmittelkrise abzuwehren. Die Lösung wäre, dass wir 80 Prozent der benötigten Nahrungsmittel selber anbauen. Das passiert zwar nicht von heute auf morgen, doch dank unseren Solidaritätsgruppen sind wir auf dem richtigen Weg und haben schon sehr viel erreicht.»

Unterstützen Sie unser Landesprogramm im Senegal

Die Projekte von Fastenaktion initiieren Solidaritätsgruppen, Kalebassen genannt. Rund 50‘000 Gruppenmitglieder – 90 Prozent von ihnen Frauen – legen regelmässig Geld ein. Innerhalb dieser Gruppen können sich die Mitglieder in Notlagen ohne Zinsen gegenseitig aushelfen und sich so langfristig entschulden. Die Vernetzung durch die Kalebassen sorgt für Unabhängigkeit und fördert den Austausch von Wissen und Erfahrungen.