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Ein Bericht aus dem Senegal

Selbstgemachte Seife und Nachbarschaftshilfe

28.04.2022
Regelmässig besuchen die Landesverantwortlichen die von ihnen betreuten Projekte. Einerseits informieren sie sich über den Stand der Arbeit, vor allem aber stehen die Menschen der Zielgruppen im Zentrum. Was bewirkt die Projektarbeit, wie entwickelt sie sich? Vreni Jean-Richard hatte während ihrer letzten Reise in den Senegal in einem Dorf der Casamance ein einmaliges Erlebnis.

Ein Bericht von Vreni Jean-Richard, Verantwortliche für das Landesprogramm im Senegal

Im Dorf erwarteten uns ungefähr 30 Frauen und 15 Männer. Der hohe Anteil an Männern, zusammengesetzt aus Dorfältesten, Dorfchef, Lehrer, Imam, dazu verschiedene Kalebassenmitglieder, erstaunte mich. Zudem waren auch ältere Kinder dabei, eigentlich hätten sie zu dieser Zeit in der Schule sein müssen. Bei der Vorstellungsrunde wurde klar, dass selbst der Dorfchef und einer der beiden Lehrer Kalebassenmitglied sind. Die Lehrer hatten ihre Schülerinnen und Schüler bewusst an dieses Treffen mitgenommen, denn die Kinder und Jugendlichen sollten etwas über das Dorf und seine Entwicklung lernen. So etwas habe ich während einer Projektreise noch nie erlebt. Genau wie ich, waren die Projektverantwortlichen und die Verantwortlichen der Koordination sehr beeindruckt. Denn landesweit sind über 90 Prozent der Mitglieder von Kalebassengruppen1 Frauen. Doch in der Casamance hatte sich das ganze Dorf eingefunden. «Das ist keine Kalebassengruppe innerhalb des Dorfes, das ganze Dorf ist in einer Kalebasse vereint,“ ging mir beim Anblick der Menschen durch den Kopf. Sogar Mitglieder des Nachbarsdorfs waren gekommen, die beiden Dörfer haben sich zu einem Réseau de Proximité (Nachbarschaftsnetzwerk) zusammengeschlossen.

Kalebassen schaffen Sicherheit
Susanne Madjia musste bis vor wenigen Jahren während der Trockenzeit ihre Familie zurücklassen, um in Cap-Skirring in einer Fischproduktion den Lebensunterhalt zu verdienen. Heute kann sie dank der ökonomischen Aktivitäten der Kalebassengruppe das ganze Jahr über im Dorf bleiben und sich und die Familie finanziell über Wasser halten. Sie ist mittlerweile Vizepräsidentin des Netzwerks, das alle Kalebassen in der Region vereint. Als erste der Partnerorganisationen im Senegal, haben sie ihr Netzwerk bereits in eine Genossenschaft umgewandelt. Nebst ihren regelmässigen Gruppentreffen, den zinslosen Krediten, die die Mitglieder aus dem gemeinsam angesparten Vermögen aufnehmen können, lernen sie immer wieder Neues, um sich damit zusätzliche wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erarbeiten.

Zusammenhalt der Dörfer gestärkt
Bei dem Besuch zeigen sie uns wie sie selber Seife herstellen. Die Vorbereitungen dazu waren bereits am Vorabend getroffen worden. So wurden nur noch die zwei zubereiteten Flüssigkeiten gemischt und verrührt. Wichtig dabei, wie mir gesagt wurde, sei, dass nur in eine Richtung gerührt werden darf. Die fertige Seife wurde in 35 Töpfchen abgefüllt, die danach mindestens zehn Tage gelagert werden müssen. Die Herstellung ging sehr schnell. Das hohe Produktionstempo hatte einen Grund: Durch die immer wieder aufflackernden Angriffe der Separatisten in der Casamance, ist die Polizei schnell vor Ort, wenn sich grössere Menschenansammlungen bilden. In Zusammenhang mit den Unruhen kamen die Leute auf das von der Partnerorganisation eingeführte Réseau de Proximité zu sprechen. Dank diesem seien die Dörfer näher zusammengerückt, und freundschaftlich miteinander verbunden. Gerade in unruhigen Zeiten, wenn das gegenseitige Misstrauen gross ist und jederzeit der Vorwurf im Raum stehen kann die Rebellen zu unterstützen, leisten die Kalebassen und die Netzwerke einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt. Einer der Ältesten meinte, dass die Beziehungen zwischen den Dörfern, die in den letzten Jahren zu verschwinden drohten, heute besser denn je seien.

Am Ende des Besuchs berechneten die Frauen noch den Verkaufspreis für die Seife. Der immer von den verwendeten Zutaten abhängig ist. Zurzeit ist Karitébutter sehr teuer. Zudem wurden die Einnahmen der Kalebasse aufgeteilt, 75 Prozent wurden für das Nachbarschaftsnetzwerkverbucht und 25 Prozent wurden, wie es Tradition ist, der gastgebenden Kalebassengruppe überreicht.

Die Solidaritätsgruppen im Senegal nennen sich Kalebassen. Zurückzuführen ist das auf die getrocknete Hälfte der Flaschenkürbisse, in denen die Gruppenmitglieder während ihren Treffen die freiwilligen Geldbeiträge sammeln.

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