Biologische Landwirtschaft

Syngenta trägt Scheuklappen

19.05.2022
Die burkinische Bäuerin Safiotou Sanfo am Hirseernten
Agrarmulti Syngenta behauptet, weil wir in Europa Bioprodukte essen, leiden Menschen in Afrika an Hunger – eine ziemlich verkürzte Sichtweise.

Ein Kommentar von Christa Suter, Verantwortliche für Agrarökologie bei Fastenaktion

Der Chef des Agrarmultis Syngenta hat in einem Bericht der NZZ am Sonntag vom 08.05.22 angesichts der drohenden Ernährungskrise eine neue Ausrichtung der Landwirtschaft und Steigerung der Agrarproduktion gefordert. Nicht mit Bio, sondern mit den teuren Produkten von Syngenta. Denn Bio habe bis zu 50 Prozent weniger Erträge, fördere den Landverbrauch und schade sogar dem Klima. Die indirekte Folge sei, dass Menschen in Afrika hungern, weil wir immer mehr Bioprodukte essen.

Biologische Landwirtschaft ist nachhaltig
Das mag für Syngenta wohl verkaufsfördernd sein, stimmt aber nicht mit der Realität überein. Langjährige Erfahrungen von Fastenaktion zeigen, dass eine nachhaltige Landwirtschaft zu weniger Hunger führt. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den Landesprogrammen von Fastenaktion setzen auf lokales bäuerliches Saatgut und wenden agrarökologische Methoden an, damit sie ihre Ernährungssouveränität stärken können. Gerade internationale Krisen, wie die Klimakrise, Covid-19 oder nun auch der Krieg in der Ukraine, bestärken uns in der langjährigen Arbeit, die lokalen Ernährungssysteme zu fördern und gegen die Abhängigkeit von internationalen Agrarfirmen zu schützen.

Intensive Landwirtschaft birgt grosse Risiken
Mit unserer politischen Arbeit stärken wir die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und unterstützen sie in ihrer Selbstbestimmung, welche Art der Landwirtschaft sie umsetzen wollen. Denn die Anbaubedingungen im ländlichen Afrika, mit sehr kleinen Anbauflächen und geringen Möglichkeiten für den Kauf von teuren Agrochemikalien, sind grundlegend verschieden zu hochintensivierten Monokulturbetrieben in Europa oder Amerika. Im Gegenteil, die Intensivierung der Landwirtschaft mit teuren und zudem umweltschädigenden Inputs birgt grosse Risiken und gefährdet die Lebensgrundlage der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

Agrochemikalien führen zu Verunreinigungen
Die intensive konventionelle Landwirtschaft hat über Jahre die Böden verunreinigt. Die agrarökologischen Methoden fördern die Bodenfruchtbarkeit und ermöglichen den Aufbau von Humus, der zudem CO2 im Boden bindet.* Insbesondere verhindert der agrarökologische Ansatz sämtliche negativen Auswirkungen wie die Verunreinigung von Boden und Wasser oder gesundheitliche Schäden durch Agrochemikalien.

Nachhaltige Landwirtschaft vermindert Hunger
Eine differenziertere Debatte wäre dringend nötig. Der Hunger in der Welt hat vielschichtige Ursachen und kann nicht nur durch eine möglichst hohe Produktion gemindert werden. Bestehende Machtstrukturen müssen hinterfragt werden. Der Agrarmarkt darf nicht durch einige wenige internationale Firmen beherrscht werden, die diktieren, was die beste Anbaumethode ist und welches Saatgut angebaut werden darf. Auf der Erde kann genügend Lebensmittel für alle Menschen produziert werden, wenn die Produktion lokal und den regionalen Bedürfnissen angepasst erfolgt. Zugang zu eigenem Land und eine nachhaltige agrarökologische Landwirtschaft wie sie Fastenaktion unterstützt ist daher unabdingbar.

*Wissenschaftlich ist es nicht ausreichend belegt, dass Bio dem Klima schaden würde. Eine Studie, die CO2 Emissionen von Biolandwirtschaft und konventioneller Landwirtschaft verglich, kam zum Schluss, dass ein Hektar Bio-Land 10% mehr Kohlenstoff bindet als konventionell bewirtschaftetes.
Zitat von FIBL Chef Knut Schmidtke 

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