Krieg in der Ukraine

Fastenaktion erwartet schlimme Konsequenzen für Projektländer

28.03.2022

Krieg in der Ukraine

Fastenaktion erwartet schlimme Konsequenzen für Projektländer

Die Nahrungsmittelpreise steigen aufgrund der blockierten Agrarproduktion in der Ukraine und Russland rasant an. Das hat schwerwiegende Folgen für den Hunger auf der Welt. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) könnte der Krieg in Osteuropa weitere 8 bis 13 Millionen Menschen in den Hunger stürzen. Fastenaktion ist besorgt über das Ausmass dieser Bedrohung für viele Länder, die bereits mit strukturellen Nahrungsmittelkrisen zu kämpfen haben.

Ein Kommentar von Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion

Der «Arabische Frühling» 2011 wurde unter anderem durch teureres Brot aufgrund höherer Getreidepreise ausgelöst. Damals ist es zu mehreren Hungerrevolten in nordafrikanischen Ländern gekommen. Getreide aus der Ukraine oder Russland kostet heute teilweise bereits mehr als zu Beginn des Arabischen Frühlings. Der Krieg in Osteuropa befeuert somit nochmals den starken Anstieg des Hungers auf der Welt, der durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöst wurde. Nach Angaben der FAO sind derzeit 811 Millionen Menschen unterernährt, 160 Millionen mehr als vor Ausbruch der Pandemie.

Die globalen Agrarmärkte sind fragil
Viele Länder, in denen Fastenaktion tätig ist, haben bereits Probleme, ihre Bevölkerung mit genug Nahrung zu versorgen. Es droht, dass sich dies weiter akut verschlechtern wird. Laut der FAO betrug die Abhängigkeit von Weizenimporten aus der Ukraine und Russland im Jahr 2021 in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 80 Prozent, in Madagaskar 70 Prozent, im Senegal 50 Prozent und in Kenya und Burkina Faso 30 Prozent. Darüber hinaus berichten lokale Koordinatorinnen und Koordinatoren von Fastenaktion, dass die Brotpreise in Kenya bereits gestiegen sind und dass es in Senegal kaum noch möglich ist, Weizen auf den Märkten zu finden.

Die Vereinten Nationen schlagen Alarm und weisen darauf hin, dass 45 afrikanische Länder mindestens ein Drittel ihres Weizens aus der Ukraine oder Russland importieren. 18 afrikanische Länder importieren gar mindestens 50% ihres Weizens aus den beiden Ländern. Der Krieg in Osteuropa droht also einen Zusammenbruch des globalen Ernährungssystems zu verursachen. Die politische Instabilität könnte Unruhen auf der ganzen Welt auslösen.

Die Unabhängigkeit von Bauernfamilien stärken
Zusätzlich zu den steigenden Lebensmittelpreisen, werden die ärmsten Bauernfamilien auch mit einem Mangel an Düngemitteln und steigenden Energiekosten zu kämpfen haben. Viele Bäuerinnen und Bauern sind in Regionen mit unregelmässigen Niederschlägen und ständiger Dürre auf Bewässerungssysteme angewiesen, die von kleinen Motoren angetrieben werden. Motoren, die Energie benötigen.

Partner von Fastenaktion zeigen den Bäuerinnen und Bauern nachhaltige und den lokalen Gegebenheiten angepasste Anbaumethoden. So wird die Umwelt geschützt, Biodiversität erhalten und die Kleinbauernfamilien sind weniger abhängig vom internationalen Saatgutgeschäft. Durch die Stärkung der Unabhängigkeit sind sie besser vor Hungersnöten und ernster Nahrungsunsicherheit geschützt, sei es angesichts von Gesundheits-, Polit- oder Umweltkrisen. Fastenaktion unterstützt bäuerliche Gemeinschaften, ihr Recht auf Land und Saatgut zu verteidigen.

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