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Schweiz

Herzliche Umarmung zwischen Süd und Nord: Djibril Thiam und Markus Brun, Leiter Internationale Zusammenarbeit bei Fastenaktion.

Quelle: Yusef Evans

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12.02.2026

Senegal, bestärkend, transparent, wirkungsvoll

«Macht abzugeben, ist nie leicht» 

Lokale Partnerorganisationen haben bei Fastenaktion traditionell einen grossen Gestaltungsspielraum. So trägt Fastenaktion wertvolle Erfahrungen in die aktuelle Debatte zu mehr Lokalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit. Djibril Thiam und Katrin Rosenberg sprechen über Chancen und Herausforderungen der verstärkten Mitsprache im Globalen Süden.

Autor

Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

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Djibril Thiam

Djibril Thiam (50) leitet die Organisation AgriBio Services in Thiès und koordiniert das Programm von Fastenaktion im Senegal. AgriBio Services unterstützt benachteiligte Gruppen bei der Verwirklichung ihres Rechts auf Nahrung und ihrer Ernährungssicherheit.

Fastenaktion diskutiert, diese Mitsprache noch auszuweiten, etwa beim Einsatz von Geldern. Würden im Senegal gewisse Entscheidungen anders ausfallen, wenn das Koordinationsteam allein bestimmen könnte?

Wir haben diesen Lokalisierungsansatz in drei unterschiedlichen Projekten ausprobiert, um eine Basis für vertiefte Diskussionen zu haben. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es in allen drei Fällen zu einer echten Stärkung der lokalen Akteur:innen führte. In einem dieser Projekte erhalten wir als Koordinationsteam zum Beispiel ein Budget zur Unterstützung von indirekten Partnerorganisationen. Dabei treffen wir ohne regelmässige Rücksprache mit Fastenaktion alle Entscheide, welche Organisationen wir berücksichtigen und für welche Aktivitäten die Mittel eingesetzt werden.

 

Und würden diese Entscheide in Absprache mit Fastenaktion anders ausfallen? 

Das lässt sich nur schwer einschätzen, da die meisten dieser indirekten Partner für eine volle Partnerschaft mit Fastenaktion gar nicht in Frage kommen, weil sie keine juristisch anerkannten Strukturen haben. Das waren zum Beispiel Jugendvereine oder engagierte Einzelpersonen. 

 

Es gab auch einen Pilotversuch mit einer Partnerorganisation, die selbst über den Einsatz von Geldern entscheiden konnte. Was kam dabei heraus? 

Genau, Agrecol Afrique bezog das gesamte Team ein, um die Bedürfnisse zu ermitteln und zu priorisieren, anschliessend wurden alle Aussagen eingehend analysiert. Dies führte zu einer gezielten Investition: die Mitfinanzierung eines Fahrzeugs. Den verbleibenden Betrag deckte Agrecol Afrique aus Eigenmitteln.  

Und was sind mögliche Nachteile?

Der hohe Zeitaufwand für die Kommunikation, damit der Lokalisierungsansatz von allen Beteiligten richtig verstanden wird. Zudem erfordert es eine enge Begleitung der Partnerorganisationendie wir vom Koordinationsteam sicherstellen müssen. Wichtig ist ausserdemdass die NGO aus dem Norden und die Organisation aus dem Süden gemeinsame Ansätze haben, um inhaltliche Konflikte zu vermeiden. Zum Beispiel unterstützt Fastenaktion die Agrarökologie – da wäre es seltsam, wenn die lokale Partnerorganisation das Geld zur Förderung der konventionellen chemischen Landwirtschaft einsetzen würde. 

 

AgriBio Services hat bereits heute einen gewissen Entscheidungsspielraum. Gibt es dennoch hinderliche Einschränkungen seitens Fastenaktion?

Nicht wirklichDie Programmverantwortliche für den Senegal in der Schweiz engagiert sich sehr für diese Form der Zusammenarbeit und ist offen für neue Ideen. Schon jetzt profitieren im Senegal rund ein Drittel unserer Zielgruppe von bereits bestehenden Lokalisierungsansätzen. Um dies weiter voranzutreiben, bräuchte es allerdings mehr frei einsetzbare finanzielle Ressourcen seitens FastenaktionDadurch würde sie bei der Lokalisierung noch mehr zu einem Vorreiter. 

 

Dann hat sich die Machtverteilung zwischen Nord und Süd bei Fastenaktion bereits spürbar verändert in den letzten Jahren?

Oh ja, es hat sich deutlich zum Positiven verändert – dies zeigt sich auch daran, dass wir den Lokalisierungsansatz auf mehreren Ebenen weiter erproben konnten. Im Vergleich zu anderen NGOs hat Fastenaktion aus unserer Sicht einen deutlichen Vorsprung in diesem Bereich.

Katrin Rosenberg

Katrin Rosenberg (44) ist bei Fastenaktion verantwortlich für das Landesprogramm Nepal und betreut gleichzeitig die Themen Lokalisierung und Dekolonialisierung in der Organisation. Zuvor war die Entwicklungsexpertin viele Jahre bei Helvetas tätig.

Das andere Stichwort neben Lokalisierung ist «Dekolonialisierung». Wie ist das zu verstehen?

Die Entwicklungszusammenarbeit ist noch immer zu stark vom Norden dominiert – und hat durchaus auch gewisse neokolonialistische Züge. Zwar hatte die Schweiz keine Kolonien, war wirtschaftlich jedoch durchaus in die Machtdynamiken des Kolonialismus verstrickt, wie kürzlich auch eine Ausstellung des Landesmuseums in Zürich eindrücklich aufarbeitete. Solche Machtstrukturen gibt es weiterhin, und es ist dringend nötig, sie aufzuweichen und neue Formen der Zusammenarbeit zu finden.

 

Du bist auch für unser Landesprogramm in Nepal verantwortlich. Wie läuft die Diskussion zu diesem Thema dort ab?

Auf den ersten Blick ist dies dort weniger präsent. Nepal ist auf drei Dinge stolz: den Mount Everest, den Geburtsort Buddhas – und dass es nie offiziell kolonialisiert wurde. Von Dekolonialisierung und Lokalisierung zu sprechen, würde also das offizielle Selbstbild erschüttern, obwohl natürlich auch Nepal von westlichen Einflüssen beeinflusst worden ist. Auch lag der Fokus von Fastenaktion in Nepal bisher auf anderen Themen. Vergleichbare Pilotprojekte, wie Djibril sie beschrieben hat, gab es noch nicht. Aber grundsätzlich arbeiten wir natürlich ebenfalls mit lokalen Ansätzen.

 

Zum Beispiel?

Wir unterstützen etwa eine Organisation, die sich für die Entwicklung in ihrem Dorf einsetzt. Kürzlich hat sich die Ausgangslage geändert: Das Dorf wird durch den Bau einer Eisenerz-Mine bedroht. Damit verschiebt sich nun der Fokus der Partnerorganisation – und wir haben auch das gemeinsame Projekt an ihre neuen Bedürfnisse angepasst.

Wie weiter?

Was braucht es nun, um diesen Weg noch konsequenter gehen zu können?

Katrin: Ein Engagement auf allen Ebenen. Nicht zuletzt ein Hinterfragen von Stereotypen, von Macht und Anforderungen im Norden. Derweil muss man sich im Süden im Klaren sein, dass mit mehr Macht auch entsprechende Verantwortung verbunden ist.

Djibril: Spenderinnen und Spender vertrauen eher einer NGO aus dem Norden als aus dem Süden, dass sie das Geld wirkungsvoll einsetzt. Die grosse Frage ist also: Wie können wir diese Sichtweise ändern? Wie können wir das Vertrauensverhältnis zwischen Spendenden aus dem Norden und NGOs aus dem Süden stärken?

Katrin: Das ist tatsächlich eine entscheidende Frage. Gleichzeitig sollten wir wohl auch unser Bild von «richtig» und «falsch» bei diesem Thema überdenken. Vielleicht müssen wir im Norden Abschied nehmen vom Anspruch, dass wir besser wissen, was Entwicklung bedeutet und wie man dahin gelangt.

Djibril: Es wäre auch wichtig, die bereits gemachten Erfahrungen besser zu dokumentieren. Ausserdem wäre es hilfreich, wenn Fastenaktion den Anteil des Budgets erhöht , der für den Lokalisierungsansatz in den verschiedenen Ländern vorgesehen ist und sämtliche Teams und Koordinationen entsprechend zu schulen. So kann sich dieser Ansatz auch in anderen Landesprogrammen weiterverbreiten – alle könnten Erfahrungen sammeln und austauschen.

Katrin: Weitere Pilotprojekte sind tatsächlich geplant. Die Ergebnisse werden dann zusammen mit den Koordinationen ausgewertet und diskutiert. Daraus sollen neue Ideen entstehen und Strukturen nachhaltig verändert werden. Die Zukunft muss gemeinsam entwickelt werden!

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