
In unseren Indien-Projekten produzieren die Bäuerinnen und Bauern ihre Lebensmittel ohne den Einsatz von chemischen Düngemitteln.
Es gibt derzeit einige Signale, dass sich die USA und der Iran auf eine Art Rahmenabkommen einigen könnten, um den Krieg zu beenden – doch selbst falls dies geschieht, dürfte es nach Einschätzungen von Expert:innen noch Monate dauern, bis sich die wirtschaftliche Lage normalisiert. Viele Länder leiden enorm unter den Folgen der noch immer weitgehend blockierten Strasse von Hormuz.
In Indien zum Beispiel hat die extreme Verknappung von Harnstoff – ein wichtiger Bestandteil chemischer Düngemittel – die konventionelle landwirtschaftliche Produktion praktisch lahmgelegt. Entsprechend stark sind die Preise für Grundnahrungsmittel gestiegen, insbesondere in abgelegenen Regionen.
Erschwerend hinzu kommt der überteuerte oder schlicht fehlende Treibstoff, den es in der Landwirtschaft für Bewässerungspumpen oder den Transport der Ernten zu den Märkten braucht. Dieser erschwerte Zugang zu Benzin behindert ausserdem den Verkehr im Alltag und damit etwa auch eine schnelle medizinische Versorgung. «Die Auswirkungen des Iran-Konflikts sind für Indien schwerwiegend und gefährden die Lebensgrundlagen zahlreicher Menschen», sagt Ayush Kumar, der Co-Koordinator von Fastenaktion in Indien.
Unabhängig von Lieferketten
Dies gilt jedoch nicht für die knapp 180’000 Indigenen Adivasi und kastenlose Dalits, welche durch 17 Partnerorganisationen von Fastenaktion in 9 Bundesstaaten begleitet werden. Der Fokus in diesen oft benachteiligten Gemeinschaften liegt auf Ernährungssicherheit durch nachhaltige, agrarökologische Landwirtschaft. «Sie bauen ihre eigenen Lebensmittel auf ihrem eigenen Land und ohne Zusatzstoffe von aussen an, konsumieren die Ernte gemeinsam mit ihren Familien direkt am Ort des Anbaus und führen alle Rückstände wieder dem Boden zu, um dessen Gesundheit zu verbessern», erklärt Ayush Kumar.
Durch diese Kreislaufwirtschaft sind die kleinbäuerlichen Familien zu Selbstversorger:innen geworden und weniger abhängig von den aktuell unterbrochenen Lieferketten. «Unser nicht-marktorientierter Ansatz führt dazu, dass die Folgen des Kriegs für sie praktisch keine Rolle spielen», hält unser Koordinator fest. Zum Kochen und für andere Haushaltsbedürfnisse verwenden sie zum Beispiel natürlich verfügbares Brennholz. «Und dank der Wiederbelebung der traditionellen Heilkunde und Kräutermedizin ist sogar eine wirksame Gesundheitsversorgung innerhalb der Dorfgemeinschaften sichergestellt, was Reisen zu anderen medizinischen Einrichtungen minimiert.»
«Unser nicht-marktorientierter Ansatz führt dazu, dass die Folgen des Kriegs in den Projekten praktisch keine Rolle spielen.»

Die Philippinen sind häufig von Wetterextremen und Naturkatastrophen betroffen – insbesondere gegen Jahresende.
Nun droht auch noch El Niño
Eine ähnliche Widerstandsfähigkeit sehen wir auch in anderen Ländern, in denen Fastenaktion Projekte unterstützt. In den Philippinen etwa möchten mehrere Partnerorganisationen nun die Ausbildung in Agrarökologie ausweiten, um die Gemeinschaften besser auf solche geopolitischen Schocks vorzubereiten.
Die Bevölkerung dort leidet aktuell unter einer Inflation von 7 Prozent, die Lebensmittelpreise sind wegen des Konflikts im Persischen Golf gar um 19 Prozent gestiegen. Und es dürfte noch schlimmer kommen: Für dieses Jahr wird eine besonders starke Form des berüchtigten Wetterphänomens El Niño erwartet, das weltweit an einigen Orten zu mehr Dürren, an anderen zu mehr Extremniederschlägen führen dürfte. In mehreren Ländern kann es schon bald losgehen, die Philippinen rechnen erst gegen Ende des Jahres damit.
«Lokale Ökonomen befürchten eine grosse Lebensmittelkrise, die sich ins 2027 reinziehen wird», sagt Bembet Madrid, die Koordinatorin von Fastenaktion in den Philippinen. Sie beobachtet angesichts der diversen Krisen ein wachsendes Interesse der Bevölkerung an unseren widerstandsfähigeren agrarökologischen Ansätzen.
Mehr Hunger befürchtet
Derweil warnt das Welternährungsprogramm WFP, dass die Kombination von El Niño und einer sich hinziehenden Krise am Persischen Golf den globalen Hunger erheblich verstärken könnte. Endet der Konflikt nicht bis Mitte Jahr und bleibt der Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel, erwartet die WFP 45 Millionen zusätzliche Menschen, die unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden – ergänzend zu den bisherigen 318 Millionen. Als besonders gefährdet gelten importabhängige Länder in Afrika und Asien.
Dass die Menschen in den Projekten von Fastenaktion besser vor dieser Entwicklung geschützt sind, ist zwar erfreulich, angesichts der globalen Herausforderung jedoch nur ein kleiner Trost. Wir setzen deshalb alles daran, unsere wirksamen Ansätze gegen den Hunger bekannter zu machen und weiterzuverbreiten.

