
Die Rohstoffminen breiten sich in Kolwezi und im Süden der Landes rasant aus.
Die Demokratische Republik Kongo ist reich an Bodenschätzen und seit Jahrzehnten vom Bergbau abhängig: 2023 machten die Einnahmen daraus mehr als 95 % der Exporteinnahmen des Landes aus. Die geförderten Rohstoffe sind für unsere Handys und Computer ebenso unverzichtbar wie für die Energiewende, etwa für Solaranlagen und Batterien für Elektroautos. Die enorme Nachfrage führt zu grossen Landkonflikten und Umweltproblemen. Und die Menschen, die neben den Minen leben, profitieren in keiner Weise von diesem Boom, im Gegenteil.
In Kolwezi, einer Stadt mit etwa einer halben Million Einwohner:innen, gibt es mehr als 28 Rohstoffunternehmen. Sie betreiben einige der grössten Kobalt- und Kupferminen der Welt. Deren Anlagen dehnen sich immer weiter aus und verschlingen nach und nach die Wohngebiete und landwirtschaftlich nutzbaren Flächen. Die giftigen Emissionen (Chemikalien, Feinstaub, Schwermetalle) verschmutzen Luft und Gewässer. Dies erschwert wiederum den Anbau von Nahrungsmitteln und lässt Familien hungern. Zudem leiden die Menschen unter dem Lärm der ständigen Explosionen in den Minen, die darüber hinaus zu Rissen in ihren Häusern führen.
Profit auf Kosten der Bevölkerung
Erschwerend hinzu kommt der aufgeblähte Staatsapparat, der dazu beiträgt, dass sich Politiker:innen auf Kosten der Allgemeinheit bereichern können. Die Einnahmen aus dem Bergbausektor sind im letzten Jahrzehnt stark gestiegen, doch gibt es so gut wie keine Transparenz und keine Rechenschaftspflicht – trotz wiederholter Forderungen der Zivilgesellschaft. Laut einem Bericht der Weltbank hat 2024 nur die Hälfte der staatlichen Unternehmen ihre Jahresabschlüsse veröffentlicht.
Davon profitieren auch internationale – darunter viele chinesische – Konzerne, welche die Minen betreiben. «Die meisten Unternehmen nutzen die Schwächen der nationalen Justiz aus, um die Rechte der betroffenen Gemeinschaften und Personen zu missachten», sagt Josué Kashal, Anwalt bei unserer Partnerorganisation CAJJ (Centre d’Aide Juridico-Judiciaire). Das kongolesische Gesetz sieht kein Mitspracherecht für die Gemeinden vor. Der Boden gehört dem Staat, und Konzessionen werden intransparent mit Rohstofffirmen verhandelt, ohne die vor Ort lebenden Menschen zu berücksichtigen.

Jean-Pierre Lwamba berät betroffene Menschen, damit sie ihre Rechte einfordern können.
Die eigenen Rechte kennen
Unsere Partnerorganisationen CAJJ und Afrewatch unterstützen mehrere Tausend Menschen, die von den negativen Folgen der Bergbauaktivitäten betroffen sind. Dadurch kennen sie ihre Rechte und fordern diese auch ein. Unsere Partner engagieren sich in zahlreichen Kampagnen und auf politischer Ebene in der DR Kongo. Auch auf internationaler Ebene sind sie aktiv, zum Beispiel am jährlichen Afrikanischen Forum der Uno für Wirtschaft und Menschenrechte, das die Verantwortung transnationaler Unternehmen für Menschenrechts- und Umweltverstösse thematisiert.
Jean-Pierre Lwamba von unserer Partnerorganisation Afrewatch betont dabei die Wichtigkeit von global gültigen Regeln: «Wir fordern, dass auf internationaler Ebene verbindliche Normen und Richtlinien gegenüber multinationalen Unternehmen festgelegt werden. Wir erhoffen uns davon, dass geschädigte Gemeinden auf internationaler Ebene Wiedergutmachung erhalten und die Unternehmen ihre Praktiken auf lokaler Ebene verbessern.» Genau dies beabsichtigt das UN-Abkommen über Wirtschaft und Menschrechte (s. Box). Mehr über unsere Arbeit und das schmutzige Geschäft mit Rohstoffen im Kongo lesen Sie hier.
Die Schweiz muss den UN Binding Treaty mitgestalten
Die Verhandlungen über ein internationales, völkerrechtlich verbindendes Abkommen der Vereinten Nationen (UN Binding Treaty) wurde 2014 von Ecuador und Südafrika angestossen. Es soll die Einhaltung der Menschenrechte durch multinationale Konzerne regeln, Menschen und Natur schützen und Opfern den Zugang zur Justiz und zu Entschädigungen ermöglichen. Es ist aktuell der weltweit am breitesten abgestützte Ansatz, Zerstörungen durch die wirtschaftliche Globalisierung zu stoppen. Regierungen verhandeln derzeit über den konkreten Text. Die Schweiz nahm bis anhin nur als Beobachterin teil. Fastenaktion fordert, dass die Schweiz sich aktiv an den Uno-Verhandlungen beteiligt. Als einer der weltweit grössten Finanz- und Rohstoffhandelsplätze hat die Schweiz eine besondere Verantwortung, die Menschenrechte zu schützen, umso mehr sich hier auch die Hauptsitze zahlreicher global agierender Konzerne befinden. Die Verhandlungen sollten bis Ende 2027 abgeschlossen sein – es ist also höchste Zeit, dass sich die Schweiz in die Verhandlungen einbringt und die Regeln mitgestaltet.

