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Philippinen

Arnie Montebon (30) ist Fischer in der Gemeinde Barobo auf den Philippinen.

Quelle: Bobby Timonera, Yusef Evans

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12.10.2026

Philippinen, Klima schützen, Weltklimakonferenz, Interview

Fortschritte im Ringen um mehr Klimagerechtigkeit

Die Philippinen werden von der Klimaerwärmung hart getroffen. Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Manila Observatory unterstützt Fastenaktion lokale Gemeinschaften, sich für ihre Rechte einzusetzen. Ben Galil Te und Joy Pelino berichten über Herausforderungen und Erfolge.

Autor

Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

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Ben und Joy

Ben Galil Te (30) verantwortet die Zusammenarbeit mit Fastenaktion zu Klimagerechtigkeit bei unserer Partnerorganisation Manila Observatory in den Philippinen. Dieses gemeinnützige Forschungsinstitut stärkt lokale Gemeinden auf Basis wissenschaftlicher Arbeit, um die Herausforderungen der Klimaerwärmung zu bewältigen. Daneben forscht es an Lösungen für weitere Umweltprobleme.

Joy Pelino (45) ist Ko-Koordinator von Fastenaktion in den Philippinen mit einem Schwerpunkt auf Klimagerechtigkeit.

Was ist das Ziel der Zusammenarbeit zwischen Fastenaktion und Manila Observatory?  

Ben: Wir arbeiten politisch auf allen drei Ebenen: lokal, national und international. Auf Gemeindeebene geht es vor allem um den Aufbau von Fähigkeiten im Bereich der Forschungs- und Lobbyarbeit. Dabei kooperieren wir eng mit anderen Partnerorganisationen von Fastenaktion. Auf nationaler Ebene engagieren wir uns politisch und versuchen, Rahmenbedingungen und Gesetze zu verbessern – insbesondere zur Entschädigung von Verlusten und Schäden nach Naturkatastrophen und zu einem gerechten Wandel in eine klimafreundlichere Zukunft (siehe Box).

Und auf internationaler Ebene?

Ben: Da gibt es zwei Aspekte. Wir arbeiten mit den Partnerorganisationen von Fastenaktion aus anderen Ländern zusammen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen. Ausserdem engagieren wir uns – wie Fastenaktion – bei den internationalen Klimakonferenzen der Vereinten Nationen (COP). Dort versuchen wir, mit der philippinischen Delegation und anderen Organisationen in Kontakt zu treten und den Verhandlungsprozess mitzugestalten.

Joy: Fastenaktion in den Philippinen wiederum profitiert vom Fachwissen des Manila Observatory, denn dort arbeiten Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Fachgebieten. Das fördert bei uns ein stärker fundiertes und auf Daten gestütztes Verständnis der Klimaproblematik. So lassen sich etwa nach Stürmen die Verluste und Schäden genauer beziffern, was hilfreich ist gegenüber den Behörden. Die lokalen Partner und das landesweit aktive Manila Observatory ergänzen sich zudem ausgezeichnet – auch bei der politischen Lobbyarbeit.

Zwei Schwerpunktthemen der Zusammenarbeit

Loss and Damages (Verluste und Schäden)
Ziel: International einen finanziellen Mechanismus etablieren, um Menschen etwa für von Taifunen zerstörte Felder oder Häuser zu entschädigen. In diesen Fonds zahlen jene Länder ein, die für die Klimaerwärmung primär verantwortlich sind, derweil ärmere Staaten, die an der Klimakrise wenig Schuld tragen, für die Bewältigung der Folgen daraus Gelder beziehen können. Fastenaktion und ihre Partnerorganisationen engagieren sich international und national für eine faire Bewirtschaftung dieses Fonds. Gleichzeitig unterstützen sie lokale Gemeinschaften in mehreren Ländern dabei, Schäden präventiv zu reduzieren, und ihre Rechte bei den Behörden und internationalen Gremien einzufordern.

Just Transition (gerechter Wandel)
Ziel: Gemeinschaften im Globalen Süden sollen wegen der Energiewende und anderen Klimaschutzmassnahmen für eine klimafreundlichere Zukunft nicht noch mehr unter Druck geraten. So bedrohen Staudämme oder Minen für die Materialien in unseren Akkus den Zugang zu Feldern und gefährden somit die Produktion von ausreichend Nahrung. Der notwendige wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel muss die Menschenrechte respektieren, sozial gerecht gestaltet und gemeinsam mit notwendigen Umstellungen gedacht werden, etwa in der Landwirtschaft. Zudem braucht es finanzielle Unterstützung durch die wohlhabenden Länder.

Welche Fähigkeiten werden bei den Gemeinschaften gestärkt?

Ben: Konzeptionelles Wissen – etwa was Klimaverantwortlichkeit bedeutet und wie sie lokal, national und international erreicht werden kann – aber auch praktische Fähigkeiten. Zum Beispiel, wie man Lobbyarbeit betreibt, wie man Daten sammelt und ein Monitoring durchführt oder wie man effektiv nach aussen kommuniziert. Das Ziel ist, dass die Gemeinschaften die Klimagerechtigkeit möglichst effektiv in ihre Lobbyarbeit einbeziehen.

Joy: Dabei arbeiten wir in den Workshops immer mit konkreten Fällen von Partnerorganisationen, die Verluste und Schäden erlitten haben. Ein Schwerpunkt ist auch die Stärkung von Frauen, denn es sind vor allem sie, die unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden.

Ben: Der Lerneffekt verläuft dabei in beide Richtungen. Denn konkrete Problembeispiele aus den Gemeinschaften sind entscheidend für unsere Forschung und für die politische Lobbyarbeit auf allen Ebenen.

Was sind die Herausforderungen, die es dabei zu überwinden gilt?

Ben: Der Arbeitsaufwand dafür ist enorm. Und wie schon erwähnt gibt es hier zahlreiche Probleme mit der Regierungsführung und der Korruption. Sich unter diesen Umständen Gehör zu verschaffen, bleibt eine Herausforderung. Aber wir sind ja nicht allein, sondern arbeiten innerhalb eines ganzen Netzwerks von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Dadurch haben wir eine grössere Schlagkraft. Und die Korruptionsbekämpfung ist inzwischen fest in unsere Arbeit integriert. Wir wollen, dass es bessere Standards gibt, dass Transparenz herrscht und Rechenschaft abgelegt wird.

Joy: Das alles ist auch in der weiteren Arbeit von Fastenaktion in den Philippinen ein Thema. Wir können nur dann in den Gemeinschaften nachhaltig etwas bewirken, wenn auch die Regierung besser wird. Doch das bleibt zäh. Aber wenigstens sind wir nicht allein, sondern kämpfen solidarisch – es ist quasi ein Schwarmangriff, bei dem wir mit vielen verschiedenen Ansätzen auf das gleiche Ziel hinarbeiten.

Bei all dem Fortschritte zu erreichen, ist nicht leicht. Was gibt euch Hoffnung, dass es dennoch gelingen wird?

Ben: Die Solidarität, die wir auf allen Ebenen erfahren. Viele Länder haben dieselben Probleme wie die Philippinen – nicht nur mit dem Klima, sondern auch mit der ungenügenden Regierungsführung. Die Entschlossenheit von Mitstreiter:innen in anderen Ländern inspiriert uns. Und sich auszutauschen und voneinander zu lernen, ist sehr wertvoll. Wenn wir die Regierung zur Rechenschaft ziehen wollen, braucht es starken öffentlichen Druck, die Menschen müssen Veränderungen einfordern. Und das passiert nun zunehmend, dank starker Solidarität – daraus schöpfen wir unsere Hoffnung.

Joy: Es geht darum, die Lebensumstände der Menschen vor Ort zu verbessern, die unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden. Und auch wenn die Herausforderungen gross sind, spüre ich in den lokalen Gemeinschaften viel Hoffnung, weil es so viele Menschen gibt, die sich auf verschiedenen Ebenen aktiv engagieren. Das zu erleben, gibt auch mir den Mut weiterzumachen. Das scheint mir zudem zentral an den grossen internationalen Konferenzen: Sich daran zu erinnern, dass hinter all diesen Zahlen und Diskussionen konkrete Menschen stehen, deren Leben sich zum Besseren verändern können und müssen.

Weltklimakonferenz (COP31)

Die Uno-Weltklimakonferenz ist der wichtigste politische Prozess, an welchem die globale Staatengemeinschaft an einem Tisch zusammenkommt, um Lösungen zur Klimakrise zu finden. Auch die Zivilgesellschaft kann sich einbringen und den Diskurs mitprägen. Darum nehmen wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen aus dem Globalen Süden an der COP31 (09. – 20. November 2026) in der Türkei teil. Weitere Informationen zu unseren Aktivitäten an der COP31 finden Sie im Newsticker.