645 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger und Mangelernährung – dies zeigt der neuste Bericht, den die Uno-Welternährungsorganisation FAO im Juli veröffentlicht hat. Doch der Hunger ist sehr ungleich verteilt. Während er in Lateinamerika und Teilen Asiens in den letzten Jahren tendenziell abgenommen hat, bleibt die Lage in Afrika schwierig: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (56 Prozent) hat dort keinen verlässlichen Zugang zu ausreichend Nahrung. Jede dritte Person kann sich keine gesunde Mahlzeit leisten.
Der Welternährungsbericht
Der Welternährungsbericht der Vereinten Nationen (UN) informiert jedes Jahr über die weltweite Ernährungssituation. Er zeigt, wie viele Menschen hungern oder keinen Zugang zu gesunder Ernährung haben.
Erstmals erschienen ist er 1999, mit dem Ziel, den Fortschritt bei der Bekämpfung des Hungers zu messen. Mittlerweile wird der Bericht von mehreren UN-Organisationen gemeinsam erstellt, federführend dabei ist die Welternährungsorganisation FAO.
Der Bericht gilt weltweit als wichtigste Quelle zum Thema Hunger und Ernährung und wird von Politik, Wissenschaft und Medien vielfach zitiert.
Den vollständigen Welternährungsbericht finden Sie hier als PDF auf Englisch.

Die Klimaerwärmung führt in Ländern wie Kenia zu starken Dürren – Wasserstellen versiegen teils vollständig, mit Folgen für Vieh und Landwirtschaft.
Ursachen für Hunger
Doch woher kommen diese regionalen Unterschiede? Laut der FAO gibt es dafür drei Ursachen: Konflikte, Klimaschocks und Wirtschaftskrisen.
Konflikte: Sie sind laut FAO der stärkste Treiber für akuten Hunger. In Regionen mit vielen Konflikten und Kriegen, darunter Teile Afrikas oder des Nahen Ostens, gibt es zahlreiche Vertriebene, die Landwirtschaft wird erschwert und Agrarmärkte funktionieren nicht mehr. Stabilere Regionen wie Lateinamerika sind mit solchen Problemen weniger konfrontiert.
Klimaschocks: Die Klimaerwärmung trifft die Regionen der Welt unterschiedlich stark. Aber jene, die ohne künstliche Bewässerung auskommen müssen, stürzen durch Dürren oder Überschwemmungen sofort in existenzielle Krisen – und dazu gehören insbesondere Subsahara-Afrika und Südasien.
Wirtschaftskrisen: Die Nachwirkungen der COVID-Pandemie, globale Inflation und andere wirtschaftliche Störungen etwa wegen Konflikten treffen Länder mit geringem Einkommen härter, insbesondere wenn sie auf Importe angewiesen sind. Steigen aufgrund von Krisen die globalen Lebensmittelpreise, können sich arme Haushalte die Nahrung schlicht nicht mehr leisten – auch hier sind viele afrikanische Staaten besonders betroffen.
Fehlende Kaufkraft und Sicherheitsnetze
Eine zusätzliche Herausforderung ist die gesunde Ernährung. «Hier hängt viel von der Kaufkraft der Menschen ab», sagt Claudia Fuhrer, bei Fastenaktion für Ernährungsgerechtigkeit zuständig. «Ein grosses Problem dabei ist die strukturelle Armut: In Afrika und Teilen Südasiens übersteigen die Kosten für eine gesunde Ernährung oft das gesamte Tageseinkommen einer Familie. Abhilfe schaffen soziale Sicherheitsnetze, die in vielen Ländern Lateinamerikas und Ostasiens besser ausgebaut sind als im subsaharischen Afrika und in Südasien.» Auch staatliche Sozialprogramme und Wirtschaftswachstum erhöhen die Kaufkraft der ärmsten Menschen und reduzieren Hunger.
Die wirksamen Ansätze von Fastenaktion
Einen massiven Einfluss auf die Lebensmittelverfügbarkeit hat zudem die Qualität der Infrastruktur eines Landes. «So verdirbt etwa in einkommensschwachen Regionen ein riesiger Teil der Ernte, weil es an Kühlketten, Lagermöglichkeiten und guten Strassen zum Weitertransport fehlt», erklärt Claudia Fuhrer. «Auch das trifft Afrika stärker als andere Weltregionen.»
Gerade deshalb ist die Arbeit von Fastenaktion und ihrer Partnerorganisationen so wertvoll: Durch agrarökologische Anbaumethoden und die Mitgliedschaft in Solidaritätsgruppen können sich viele kleinbäuerlichen Familien trotz solcher erschwerten Umstände ausreichend und gesund ernähren. Die Stärkung lokaler Netzwerke, das Nutzen von traditionellem Wissen und regional angepasstem Saatgut helfen, den Hunger zu reduzieren.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Wer ist laut dem neusten FAO-Bericht von Hunger betroffen?
Weltweit leiden 645 Millionen Menschen an Hunger und Mangelernährung. Die Situation ist jedoch regional sehr unterschiedlich: Während der Hunger in Lateinamerika und Teilen Asiens tendenziell zurückgeht, bleibt er in Afrika ausgeprägt – dort hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung keinen verlässlichen Zugang zu ausreichend Nahrung.
Was sind die Hauptursachen für Hunger auf der Welt?
Die Welternährungsorganisation nennt drei Hauptursachen: Konflikte, die akuten Hunger am stärksten antreiben, Klimaschocks wie Dürren und Überschwemmungen sowie Wirtschaftskrisen, etwa durch Inflation oder steigende Lebensmittelpreise.
Wie hilft Fastenaktion konkret gegen Hunger?
Fastenaktion fördert traditionelle, umweltschonende Anbaumethoden, die den Ertrag steigern. Sie unterstützt den Aufbau von Solidaritätsgruppen, in denen sich meist Frauen gegenseitig helfen. So ernähren sich Familien auch unter schwierigen Bedingungen ausreichend und gesund.


