«Als der neue Ehemann meiner Ex-Frau, ein wohlhabender Arzt, mich öffentlich als Analphabeten und Nichtsnutz bezeichnete, konnte ich nichts tun», erzählt Laurent Hiamba. «Ich konnte ihm nichts entgegensetzen, weder moralisch noch materiell.» Diese Demütigung hätte den Kleinbauern aus der Region Sankuru brechen können. Stattdessen spornte sie ihn an, sich wieder aufzurichten.
Der erste Schritt dazu war 2022 der Beitritt zur Solidaritätsgruppe «Union fait la force» (Gemeinsam sind wir stark), die von Fastenaktion und ihrer Partnerorganisation Caritas Kole unterstützt wird. Der Name der Gruppe ist Programm: Es ist eine Gemeinschaft der gegenseitigen Hilfe – ein Ort, an dem die Mitglieder Saatgut, Werkzeuge, Wissen und Mut miteinander teilen.

Laurent Hiamba mit seiner Tochter bei der Ernte auf seinem Feld.
Ernte und Einnahmen verbessert
So konnte Laurent vielfältigere Produkte anbauen und ernten: Reis, Maniok, Kürbis und Mais. Ein Teil davon ernährt seine Kinder, den Rest verkauft er auf dem Markt. Seine ersten Einnahmen investierte er in eine Mühle, mit der er auch das Getreide von anderen zu Mehl verarbeitet. «Meine Kunden überlassen mir einen Teil als Bezahlung, den ich dann weiterverkaufe.»
Die Solidarität der Gruppe hat ihm geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. «Ein Finger allein kann keine Fliege fangen», zitiert er ein Sprichwort, das Caritas Kole oft in Schulungen verwendet. Mit den zusätzlichen Einnahmen und dem neu gefassten Mut beschloss Laurent dann sogar, ein Agronomie-Studium zu starten.
«Am Anfang war es nicht leicht, aber inzwischen läuft es gut.»
Einen guten Job und eine Frau finden
Weil er seine Eltern früh verlor, schon jung Vater wurde und schlicht kein Geld hatte, musste er seine Schulausbildung mit 20 abbrechen. Heute besucht er Vorlesungen an der Universität Laurent Désiré Kabila, fünf Kilometer von seinem Dorf entfernt. «Am Anfang war es nicht leicht. Ich war es nicht mehr gewohnt zu schreiben und musste mir manchmal die Notizen meiner Kommiliton:innen ausleihen. Aber inzwischen läuft es gut», sagt er mit einem Lächeln.
Laurents Ziel: einen guten Job finden, am liebsten eine Führungsposition, weiter Landwirtschaft betreiben, seine Kinder unter besseren Bedingungen grossziehen – und eine neue Frau zum Heiraten finden. Dass er so weit gekommen ist, hat er seiner eigenen Hartnäckigkeit zu verdanken, aber auch seinen Freund:innen in der von Fastenaktion unterstützten Solidaritätsgruppe. «Dank ihnen habe ich die Kraft gefunden, mir eine bessere Zukunft aufzubauen.»

