Von 1960 bis 1996 tobte in Guatemala ein Bürgerkrieg, der unter anderem von einer ausgelöst wurde. Insbesondere Angehörige der ländlichen Bevölkerung und der indigenen Maya-Gemeinschaften wurden Opfer von Massakern; viele flohen ins benachbarte Mexiko. Als sie später zurückkehrten, war ihr Land häufig weg – beschlagnahmt von Grossgrundbesitzenden. Das Friedensabkommen von 1996 versprach zwar ein neues Agrarsystem, der Rechtsrahmen ist jedoch unzureichend. Bis heute begünstigt diese Rechtsunsicherheit Landraub durch Rohstoffunternehmen und Grossgrundbesitzende. Ohne Zugang zu eigenem Land ist die ländliche Bevölkerung abhängig von Grossgrundbesitzenden, für die sie häufig ohne angemessene Bezahlung und Mindestleistungen arbeiten.
Leiria von CODECA begleitet Bauerngruppen, die für den Zugang zu Land kämpfen.
Flor del Café – erfolgreicher Kampf für Land
CODECA (auf Deutsch «Komitee für ländliche Entwicklung»), unsere Partnerorganisation in Guatemala, begleitet seit 2020 mehr als 40 Bauerngruppen, die für den Zugang zu Land kämpfen. Die technische, rechtliche und politische Aufarbeitung dieser Fälle ist schwierig, wie Leiria Vay García vom Leitungskomitee von CODECA berichtet. Ein Erfolgsbeispiel ist aber die neugegründete Gemeinde «Flor del Café» im Bezirk San Marcos im Westen des Landes. «35 Familien kämpften fast 20 Jahre lang für eigenes Land», sagt Leiria. «Mit Unterstützung von CODECA konnten sie nun anfangs 2026 ein Grundstück kaufen, auf dem sie Kaffee und Kakao anbauen werden.» Trotz vieler Herausforderungen ist dies ein erster wichtiger Schritt Richtung Ernährungssicherheit und Selbstbestimmung.
Leiria wird Ende Februar an einer internationalen Landreformkonferenz (ICARRD+20) in Kolumbien teilnehmen, um die Landkonflikte in ihrer Heimat auf internationaler Ebene sichtbar zu machen. Durch die Teilnahme an dem internationalen Treffen erhofft sie sich eine stärkere Vernetzung und Koordination mit anderen Organisationen, die ebenfalls zu Landrechten arbeiten.
Internationale Konferenz für Agrarreform
20 Jahre nach einer ersten Konferenz zu Landrechten in Brasilien, findet vom 24. bis 28. Februar in Cartagena, Kolumbien, die internationale Konferenz zu Agrarreform und ländlicher Entwicklung (ICARRD+20) statt. Im Zentrum der Diskussionen zwischen Staaten, dem Welternährungskomitee der FAO und zivilgesellschaftlichen Organisationen stehen die Themen Landreform, Ernährungssouveränität, Transformation von Ernährungssystemen und bäuerliche Rechte. Soziale Bewegungen fordern schon länger internationale Massnahmen zur Sicherung der Rechte der ländlichen Bevölkerung, etwa die Umsetzung der Uno-Bauernrechtsdeklaration (UNDROP).
Wieviel die Konferenz am Ende bewirkt, ist im Voraus schwer einzuschätzen. Bestenfalls trägt sie dazu bei, Staaten zu motivieren, den Zugang zu Land zu demokratisieren, indigene Gebiete zu schützen und Geschlechterdiskriminierung zu beseitigen. Fastenaktion engagiert sich vor Ort mit Partnerorganisationen aus Kolumbien, Guatemala, Südafrika und unserem Netzwerk CIDSE. Gemeinsam fordern wir, dass die Regierungen konkrete Mechanismen zur Umsetzung von gerechten Agrarreformen schaffen. Denn Zugang zu Land ist entscheidend, um Hunger langfristig zu überwinden. Weitere Infos zum Programm und gemeinsamen Aktivitäten mit den CIDSE Partnerorganisationen finden Sie hier.