Dalits stehen auf der untersten Stufe des hinduistischen Kastensystems und werden in Nepal häufig diskriminiert. Auch Sarda Nepali erging es so, denn in ihrem Dorf im Distrikt Jajarkot gehört die Mehrheit der indigenen Gruppe der Magar an. «Früher wurde ich immer wieder beschimpft und durfte beispielsweise das Haus einer Magar-Familie nicht betreten», erinnert sie sich. «Heute kochen und essen wir zusammen und besuchen gegenseitig unsere Familienfeiern. Von solcher Akzeptanz konnte ich lange nur träumen.»
Sarda Nepali war eine aufgeweckte Schülerin und wollte eigentlich ein Studium in Gesundheitswissenschaften beginnen. Doch auf Druck ihrer Familie heiratete sie bereits mit 17 Jahren und wurde mit 18 Mutter. Ausserdem fehlte es an Geld, um sowohl ihr als auch ihrem ein Jahr älteren Mann Rubin eine Ausbildung zu finanzieren. «Also stellte ich meinen Wunsch zurück, blieb zu Hause und kümmerte mich um unseren Sohn, den Haushalt und das Feld, während Rubin in Surkhet ein Studium als Bauingenieur begann.»
Geschlechtergerechtigkeit
Fastenaktion stärkt Menschen unabhängig vom Geschlecht darin, ihre Rechte einzufordern. Unsere Gender-Arbeit setzt bei der gerechten Verteilung von Ressourcen und Macht an. Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein zentraler Faktor im Kampf gegen Hunger und Armut. In den Ländern, in denen wir arbeiten, tragen Frauen oft die Hauptverantwortung für Landwirtschaft und Familie, sind jedoch finanziell und rechtlich oft von Männern abhängig – dies wollen unsere Projekte langfristig zusammen mit den Menschen verändern.
Sarda Nepali (rechts) bei der gemeinschaftlichen Arbeit auf einem Feld ihres Dorfs.
Neues Selbstvertrauen dank Gruppe
Es folgten schwierige Jahre. «Ich fühlte mich isoliert und gab dem Schicksal die Schuld, dass ich meine Träume nicht verwirklichen konnte.» Dennoch gab die junge Frau nicht auf. 2022 schloss sich Sarda einer Gruppe von Bäuerinnen an, die von SAHAS Nepal begleitet wurde, einer Partnerorganisation von Helvetas und Fastenaktion, die das Projekt gemeinsam unterstützen. Im Zentrum stand die Verbesserung der Ernährungssicherheit durch Agrarökologie.
Sarda lernte viel über gesunde Ernährung und Agrarökologie, aber auch über Gruppendynamik, Führung, Ressourcenmanagement – und baute nebenbei enge Beziehungen zu den anderen Mitgliedern auf. Dank ihrer positiven Einstellung, Gelassenheit und harter Arbeit wurde sie zur Sekretärin der Gruppe gewählt. Dies stärkte nicht nur ihr Selbstvertrauen, sondern verbesserte auch ihre soziale Stellung.
«Ich habe immer daran geglaubt, dass ich meine Situation mit Engagement verändern kann.»
Ein Studium und neuer Respekt
Aufgrund ihrer Führungsqualitäten wurde sie gar zur Projektleiterin eines grossen Kanalbauprojekts ernannt. Das zusätzliche Einkommen machte plötzlich auch ökonomisch viel mehr möglich. «Früher hat mein Mann mir nichts zugetraut und damit mein Selbstvertrauen untergraben», erzählt sie. «Heute behandelt er mich mit Respekt und unterstützt mich.» Inzwischen hat Sarda Nepali ihr eigenes Studium begonnen, in Pädagogik.
Woher nahm sie die Kraft, trotz aller Herausforderungen und Diskriminierungen nie aufzugeben? «Ich habe mir die verbalen Angriffe nicht zu Herzen genommen, und wenn ich doch mal niedergeschlagen war, richteten mich die Mitarbeitenden von SAHAS wieder auf. Aber eigentlich habe ich immer daran geglaubt, dass ich meine Situation mit Engagement, Gelassenheit und meinem Dienst an der Gemeinschaft verändern kann. Heute fragen mich die anderen im Dorf oft um Rat in wichtigen Angelegenheiten», sagt Sarda Nepali stolz.
Und sie ist fest entschlossen, ihre Gruppe und ihr Dorf weiter voranzubringen und andere zu stärken, die sich – wie sie einst – vom Schicksal bestraft fühlen.
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