
Samba Mbaye hat sich jahrzehntelang für bäuerliche Gemeinschaften im Senegal engagiert. Er starb im Dezember 2025, kurz nach Abschluss dieses Artikels. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen.
Wer diese Website oder unser Magazin regelmässig anschaut, erfährt von zahlreichen Menschen, deren Leben sich mit der Unterstützung von Fastenaktion stark verbessert, ja manchmal regelrecht transformiert hat.
«Entscheidend für den Erfolg des Programms im Senegal ist, dass es von den Menschen vor Ort getragen wird», erklärt Samba Mbaye, Mitgründer der Bauernunion UGPM, einer Partnerorganisation von Fastenaktion. Er kennt unsere Arbeit seit bald 30 Jahren. «Die Mittel von Fastenaktion fliessen dabei nicht in Infrastruktur, sondern in die menschlichen Ressourcen, also die lokalen Organisationen, die das Programm mitentwickeln und umsetzen. Diese stützen sich auf lokales Wissen, vernetzen die Teilnehmenden untereinander und sichern letztlich die Nachhaltigkeit der Projekte.»
Ein typisches Beispiel dafür sind die erfolgreichen Solidaritätsgruppen im Senegal, mit denen Gemeinschaften gemeinsam Geld sparen. «Aber sie sind weit mehr als nur ein Finanzinstrument», sagt Mbaye. «Sie sind Orte des Austauschs, an dem vor allem Frauen zusammenkommen, Probleme aller Art besprechen und gemeinsam Lösungen finden. Sie stärken die Widerstandskraft der Gemeinschaft. Die Frauen gewinnen an Selbstvertrauen und sozialer Würde. Sie haben nun eine Stimme in der Gemeinschaft und werden respektiert.»
Die Gründe für die Wirksamkeit
Zudem basiert der Ansatz auf traditionellen Solidaritätsnetzen, die in der senegalesischen Kultur tief verwurzelt sind. «Unsere Alten schämten sich, wenn jemand glaubte, das Dorf verlassen zu müssen, weil er nichts mehr zu essen hatte. Wenn du in Schwierigkeiten warst, kam das ganze Dorf, um dich zu unterstützen», erklärt Samba Mbaye. «Doch diese alten Werte drohten durch den wachsenden Individualismus zu verschwinden. Mit Unterstützung von Fastenaktion ist es uns gelungen, sie wiederzubeleben.»
Diese Erfolgsgeschichte aus dem Senegal ist typisch für die besondere Arbeitsweise von Fastenaktion in allen zwölf Staaten Lateinamerikas, Afrikas und Asiens, in denen wir mit Landesprogrammen tätig sind. Zentral für unsere Wirksamkeit sind dabei unsere Ansätze: Wir sind über viele Jahre vor Ort aktiv und investieren in langfristige Partnerschaften mit lokal verwurzelten Organisationen. Das Programm wird von einer lokalen Organisation und einer verantwortlichen Person in der Schweiz gemeinsam als Team koordiniert.

Das Tuch über der Kalebasse verhüllt, wer genau wie viel Geld in das Gefäss wirft. Oder ob es mangels Geld vielleicht nur ein paar Steinchen sind.
Innerhalb eines Landesprogramms entwickeln wir gemeinsam mit den Partnerorganisationen eine mehrjährige Strategie und fördern die Vernetzung und den Austausch unter den Partnern. Dabei gibt Fastenaktion sowohl den Partnern als auch den Gemeinschaften Raum, um ihre Bedürfnisse zu reflektieren und eigene Ansätze zu entwickeln. Wir setzen keine vorgefertigten Projekte um, sondern unterstützen Veränderungsprozesse vor Ort, die letztlich dazu führen, dass die Menschen in der Lage sind, ihr Schicksal nachhaltig selbst in die Hand zu nehmen.
Der Fokus liegt dabei auf folgenden Zielen:
- Deckung der unmittelbaren Bedürfnisse, insbesondere im Bereich der Ernährung.
- Weiterführende Initiativen, die von den Gemeinschaften selbst geführt werden, um Abhängigkeiten (etwa von Kredithaien) zu verringern und ihre Lebensbedingungen mittelfristig zu verbessern.
- Eine gezielte Ermächtigung und Vernetzung, damit die Gemeinschaften bei staatlichen Stellen grundlegende Dienstleistungen (wie Bildung oder Strassen) sowie ihre Rechte (etwa auf Nahrung oder Land) einfordern können.
Begleitung und Ausbildung
Die ersten Kontakte zu Samba Mbayes UGPM im Senegal gab es bereits 1998, die eigentliche Partnerschaft begann 2003. «Entscheidend für den Erfolg war die immer noch aktuelle Philosophie von Fastenaktion», erklärt Mbaye. «Sie kam nicht mit fertigen Lösungen, sondern als Begleiterin. Sie erkannte die lokale Expertise an und unterstützte die Gemeinschaften dabei, ihre eigenen Strategien zu entwickeln.» Dabei werden auch bewusst junge Leute in die Projektteams geholt, um die Zukunft zu sichern und auch ihnen eine Stimme zu geben.
Die Solidaritätsgruppen sind so erfolgreich, dass sie sich inzwischen im ganzen Land verbreitet haben. «Zu den Herausforderungen gehört, dass andere versuchen, den Ansatz zu kopieren, ohne dessen soziale und kulturelle Tiefe zu verstehen», sagt Samba Mbaye. «Umso wichtiger ist die kontinuierliche Begleitung und Ausbildung – die Weitergabe von Wissen, Können und Werten.»

Die Solidaritätsgruppen sind im Senegal so erfolgreich, dass sie sich inzwischen auch ohne Zutun von Fastenaktion weiterverbreiten.
Massgeschneiderte Unterstützung
Aus der Sicht von Vreni Jean-Richard, die bei Fastenaktion für Senegal verantwortlich ist, spielt noch ein anderer Aspekt eine Rolle für den Erfolg unserer Arbeit: «Zwischen den Koordinationsteams und den Partnerorganisationen besteht eine sehr enge Beziehung mit reichlich Gestaltungsspielraum. Dadurch werden die Koordinationen von den Partnern als Unterstützung wahrgenommen und nicht als Überwachungsinstanz.»
So entstehen am Ende massgeschneiderte Programme und selbstentwickelte Ansätze: Fastenaktion unterstützt genau das, was vor Ort benötigt wird. Viele grössere NGOs kommen mit sehr viel mehr Mitteln ins Land, dafür fehlen ihnen jedoch manchmal der Spielraum und die Bereitschaft für eine auf die exakten lokalen Bedürfnisse abgestimmte Unterstützung, wie dies bei Fastenaktion üblich ist. Und genau dies macht unsere Arbeit so wirksam und nachhaltig.
«Die langfristige Zusammenarbeit mit den Organisationen vor Ort hat zudem einen weiteren entscheidenden Vorteil», sagt Vreni Jean-Richard. «Wir lernen mit ihnen und erhalten so Gelegenheit, Fehler zu korrigieren.»

