Eine Adivasi-Kleinbäuerin präsentiert einem staatlichen Wissenschaftler die eindrücklichen Erfolge ihrer agrarökologischen Landwirtschaft.
Zu Beginn der Monsunzeit versammelten sich über 300 Indigene Adivasi im Bundesstaat Chhattisgarh im Osten Indiens. Die Kleinbäuerinnen und -bauern reisten aus der ganzen Region teils über weite Distanzen an, um an einem grossen Kulturfestival zum Austausch von indigenem Saatgut und überliefertem Wissen teilzunehmen, das zum ersten Mal stattfand. Das Besondere: Zu den Teilnehmenden gehörten auch nationale und regionale Agrarwissenschaftler:innen aus renommierten staatlichen Forschungs- und Beratungszentren der Region.
Panchram Kanwer reiste mit seiner Familie aus dem 70 Kilometer entfernten Dorf Kalmipara an. Der 60-jährige Kleinbauer brachte Saatgut aus eigener Ernte mit: einheimische Kodo-Hirse, Kleinhirse und Reis. «Diese Hirsearten sind das Erbe unserer Vorfahren und äusserst widerstandsfähig und nahrhaft. Sie liefern trotz der Klimaerwärmung und geringerer Niederschläge in kurzer Zeit gute Erträge – ohne eine intensive Bewirtschaftung, die dem Boden oder der Umwelt schadet.» Kanwer brachte ausserdem traditionelle Snacks aus den Blüten des Mahua-Baums mit. «Sie sind ein traditionelles Heilmittel zur Reinigung des Körpers und des Blutes, und ich wollte anderen die Möglichkeit geben, sie zu probieren.»
Vielfältigere und gesündere Ernährung
Im Gegenzug erhielt er Gemüsesamen von Adivasi-Bauern und -Bäuerinnen aus anderen Regionen, darunter Tomaten, Chilischoten, Koriander und Kürbis. «Diese wurden aus Samen vermehrt, die letztes Jahr vom Indian Institute of Horticulture Research zur Verfügung gestellt wurden», erklärt er. «Mit ihnen können wir unser eigenes Gemüse anbauen, so dass unsere Ernährung vielfältiger und gesünder wird.»
Den Grossanlass im Bezirk Balodhabazar organisiert hatte eine lokale Partnerorganisation von Fastenaktion. Auf dem Programm standen auch Schulungen und der Austausch mit staatlichen Agrarwissenschaftler:innen. Tradition, Kultur und Wissenschaft wurden erfolgreich miteinander verbunden, um die Lebensgrundlagen der Adivasi-Gemeinschaft nachhaltig zu verbessern.
Zusammenarbeit stärkt benachteiligte Adivasi
Bereits seit mehreren Jahren besteht eine fruchtbare Zusammenarbeit der Partnerorganisation mit staatlichen Forschungszentren zu agrarökologischen Anbaumethoden, darunter Feldversuche mit einheimischen Saatgutsorten und Geräten. Dies verbessert nicht nur die Ernährungssituation der Indigenen Adivasi, die ausserhalb des Kastensystems stehen und daher oft benachteiligt sind – es stärkt auch ihre Position in der Gesellschaft, etwa bezüglich des Zugangs zu Land. Dies reduziert Konflikte mit Nicht-Adivasi.
Das Mega Seed Exchange & Training Festival sollte diese Kooperation weiter vertiefen und Wissenschaftler:innen Gelegenheit geben, sich mit Kleinbäuerinnen und -bauern aus marginalisierten Gemeinschaften auszutauschen, zu denen sie normalerweise keinen Zugang haben. Sie erhielten dabei auch einen Einblick in das traditionelle Wissen der Adivasi in verschiedenen Bereichen. Zudem signalisierte ihre Teilnahme die offizielle staatliche Unterstützung für den Anlass – und für die Anliegen der diskriminierten Adivasi.
Panchram Kanwer im Kreise seiner Familie auf ihrem agrarökologisch bewirtschafteten Feld.
Wertschätzung, aber auch gemischte Gefühle
Panchram Kanwer half bei einer Ausstellung über traditionelle landwirtschaftliche Werkzeuge und Praktiken mit. «Wir waren stolz darauf, allen unsere grosse Familie und unsere Stärken zu präsentieren», erzählt der vierfache Vater und zehnfache Grossvater. Er nahm auch an Schulungen der Wissenschaftler:innen teil und tauschte sich an einem der Stände mit ihnen aus. «Ich habe ihre Fragen beantwortet, etwa zu unserer Aufbewahrung von Saatgut oder zur Bekämpfung von Schädlingen. Und ihnen auch dargelegt, wo wir mit ihnen übereinstimmen und wo nicht – was sie respektvoll anerkannt haben.»
Gleichzeitig bekam er auch Antworten auf seine Fragen zu Anbaumethoden und neuen Saatgutsorten. «Ich spürte grosse Wertschätzung für unsere traditionellen Praktiken. Sie haben unsere Snacks genossen und sogar einige mit nach Hause genommen. Und sie haben uns weitere Unterstützung zugesagt, etwa mit Programmen zur Aufzucht von Hühnern und Ziegen.»
Allerdings waren seine Erfahrung mit den Wissenschaftler:innen unterschiedlich: «Einige waren sehr sachkundig und wollten von uns lernen. Andere konnten sich noch immer nicht mit unserer agrarökologischen Landwirtschaft anfreunden und wollten uns nur Dinge beibringen, die wir nicht umsetzen können.»
Erfolgreiches Pilotprojekt
Alles in allem jedoch war das Festival für Panchram Kanwer ein positives Erlebnis. «Die Wissenschaftler wollen unsere Lebensgrundlagen stärken, indem sie weiteres traditionelles Saatgut bereitstellen und Schulungen anbieten. Zudem erhalten wir Kooperationsbanner, die wir auf unseren Feldern aufstellen können, um unser Land und unsere Ernte vor neidischen Aussenstehenden zu schützen. Sie signalisieren unserer Nachbarschaft und lokalen Behörden, dass wir den Boden in Zusammenarbeit mit diesen staatlichen Institutionen bewirtschaften – eine wichtige Absicherung für uns und eine Chance für einen besseren Zugang zu Land.»
Auch die Partnerorganisation zieht eine positive Bilanz zu diesem Pilotprojekt: Der Enthusiasmus unter den Adivasi sei enorm gewesen. Und die Wissenschaftler:innen sicherten nicht nur mehr Saatgut und Schulungen zu, sondern brachten auch ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass ein solcher Anlass künftig jedes Jahr stattfindet. 2026 ist bereits eine ähnliche Veranstaltung geplant, in etwas kleinerem Rahmen.
«Wir haben neues Selbstbewusstsein gewonnen und werden heute von der Gesellschaft besser respektiert.»
Panchram Kanwer engagiert sich seit sieben Jahren in Projekten von Fastenaktion. Vor allem, weil er miterlebte, wie sich die Situation anderer Teilnehmender verbessert hatte. «Auch wir können uns nun das ganze Jahr von unserer eigenen Landwirtschaft vielfältig und gesund ernähren», berichtet er. «Und dies, ohne uns in Schuldknechtschaft gegenüber Landbesitzern begeben oder zum Arbeiten wegziehen zu müssen. Wir haben neues Selbstbewusstsein gewonnen und werden heute von der Gesellschaft besser respektiert.»
Kanwer hofft, dass dies irgendwann auch zu langfristiger Sicherheit durch eine offizielle Eigentumsurkunde für sein Land führen wird. «Das ist mein Traum und würde uns als Familie ein freies Leben ermöglichen. Vielleicht erlebe ich das ja noch.»