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Sofía Monsalve Suárez

Die Kolumbianerin ist seit Mai 2026 Uno-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung.

Quelle: zVg / Fastenaktion

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18.09.2026

bestärkend, Hunger beenden, Interview

Uno-Expertin sieht Lichtblicke

Die aktuelle geopolitische Lage erschwert die Arbeit der neuen Uno-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung. Sofía Monsalve Suárez sagt, wo die Probleme liegen, lobt die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen wie Fastenaktion – und sieht auch ein paar positive Entwicklungen.

Autor

Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

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Sofía Monsalve Suárez

Sofía Monsalve Suárez (57) ist seit Mai 2026 Uno-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung. Die Kolumbianerin hat in Bogotá und Heidelberg studiert und arbeitete 25 Jahre lang bei FIAN International, einer Menschenrechtsorganisation, die auf Ernährung und das Recht auf Nahrung fokussiert ist. Heute lebt sie in Deutschland und forscht am Heidelberger Institut für Global Health. Ihre Amtszeit als Sonderberichterstatterin dauert drei Jahre und kann um weitere drei Jahre verlängert werden. Die Position ist ehrenamtlich und unbezahlt.

Die Liste der Probleme ist also lang…

Ja, wir stehen vor der enormen Aufgabe, unsere Ernährungssysteme komplett umzugestalten. Das wird durch die aktuelle geopolitische Lage natürlich zusätzlich erschwert. Immer mehr Länder wenden einen immer grösseren Teil ihres Budgets für Sicherheit und Remilitarisierung auf. Und wir erleben derzeit eine erschreckende Zunahme bewaffneter Konflikte – was den Hunger weiter verstärkt.

 

In welchen Bereichen möchten Sie in Ihrer neuen Position Fortschritte erzielen?

Um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass wir angesichts der aktuellen Lage grosse allgemeine Fortschritte erreichen können. Punktuell können wir aber einiges bewirken, etwa indem wir Menschen, die unter Verstössen leiden, mehr Gehör verschaffen. Zudem will ich den Wandel von unten fördern und mich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, all jene zusammenzubringen, die weiterhin bereit sind, die Uno-Charta und das Völkerrecht zu respektieren. Wir leben in beispiellosen Zeiten, und das Wichtigste, was wir meiner Meinung nach aktuell tun können, ist, die bisherigen wertvollen Errungenschaften zu verteidigen und an die nächste Generation weiterzugeben. Ich möchte deshalb insbesondere auch junge Führungskräfte und die Jugend allgemein einbinden und stärken.

 

Sehen Sie denn irgendwo auch positive Entwicklungen?

Oh ja, die Agrarökologie zum Beispiel verbreitet sich mehr und mehr – zwar nicht in dem Ausmass, das wir uns wünschen, aber immerhin. Es gibt verschiedene Initiativen zur Stärkung der Gemeinwohl-Ökonomie in den Ernährungssystemen. Sogar einige Regierungen setzen sich inzwischen für Verbesserungen ein und ändern Gesetze. Die Knappheit von Düngemitteln führt dazu, dass selbst beginnen, sich für Agrarökologie zu interessieren. Denn auch sie erkennen plötzlich, was die Bewegung für Ernährungssouveränität schon seit langem sagt: Dass wir zu abhängig von diesen globalisierten, nicht nachhaltigen Agrarlieferketten sind. Immer mehr Institutionen räumen ein, dass der Freihandel in diesem Bereich gescheitert ist und wir nun Instrumente brauchen, um die Märkte zu beruhigen.

Und Sie machen das neben Ihrer Arbeit an der Universität Heidelberg? Bleibt dafür überhaupt noch genug Zeit?

Zum Glück ergänzen sich die beiden Positionen inhaltlich recht gut, die Forschungsstelle in Heidelberg dreht sich um Ernährungssysteme und Gesundheit. Und von einigen anderen Aufgaben musste ich mich zurückziehen, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Ich bin übrigens auch die erste Person in dieser Position mit einem zivilgesellschaftlichen Hintergrund.

 

Welche Rolle spielen zivilgesellschaftliche Organisationen wie Fastenaktion bei diesen vielen Herausforderungen?

Eine sehr bedeutende. Sie unterstützen Organisation im Globalen Süden dabei, das Wissen von kleinbäuerlichen Familien und Indigenen weiterzuentwickeln – für eine nachhaltigere, bessere Landwirtschaft und um dem Klimakollaps zu begegnen. Das ist enorm wichtig und führt immer wieder zu hoffnungsvollen, beeindruckenden Nachrichten, etwa wie Bauern in Mali mitten in einer extrem trockenen Region dürreresistentes Saatgut entwickelt haben. Zudem bringen sie Stimmen aus dem Süden an wichtige internationale Veranstaltungen wie etwa das Uno-Welternährungskomitee (CFS), das sich im Oktober erneut in Rom treffen wird.

 

Auch Fastenaktion wird dort wie üblich mit Partnerorganisationen teilnehmen. Haben denn Veranstaltungen wie das CFS einen Einfluss auf die Situation der Menschen im Globalen Süden?

Diese zu verbessern, ist eigentlich die Aufgabe der Regierung des jeweiligen Landes. Die Verhandlungen beim CFS sollen internationale Abkommen ermöglichen, etwa Regulierungen von transnationalen Unternehmen. Und es gibt auch Beispiele für direkte Verbesserungen: In Mali trugen vom CFS verabschiedete Leitlinien dazu bei, dass die Gesetze nun die gewohnheitsrechtliche Landnutzung und die Rechte der Frauen stärker berücksichtigen. Aber global gesehen muss noch viel geschehen, denn die Leitlinien des CFS sind leider nicht bindend, sondern freiwillig. Das liegt jedoch nicht am CFS, sondern an den Regierungen mächtiger Länder, die dies so wollen.

Bericht zum Hunger in der Welt

Der neuste Ernährungsbericht der Uno-Welternährungsorganisation FAO zeigt: 645 Millionen Menschen leiden aktuell weltweit an Hunger und Mangelernährung. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Afrika (56 Prozent) war 2025 von Ernährungsunsicherheit betroffen. Jede dritte Person kann sich keine gesunde Mahlzeit leisten. Hier finden Sie unsere Einordnung zum Bericht und zur Hungersituation weltweit.

Was ist die Aufgabe der Uno-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung?

Wer in diesem Bereich unter Menschenrechtsverletzungen leidet, kann sich direkt an Sofía Monsalve Suárez wenden und den Schutz seiner oder ihrer Rechte einfordern. Die unabhängige Expertin prüft dies mit einem kleinen Team und erinnert dann die betroffenen Staaten oder Unternehmen an ihre Verpflichtungen im Rahmen der internationalen Menschenrechtsgesetze. Ausserdem verfasst sie Berichte für die Uno-Generalversammlung über die aktuelle Situation.

Wie entwickelt sich der Hunger auf der Welt?

Die Probleme sind zahlreich. Hunger und Unterernährung nehmen global tendenziell wieder zu. Und das hat nichts mit Knappheit zu tun, sondern mit dem Zugang – dieser ist in unseren marktorientierten Gesellschaften weitgehend übers Einkommen geregelt. Die industrielle Lebensmittelproduktion ist ausserdem stark von fossilen Brennstoffen und chemischen Düngemitteln und Pestiziden abhängig, was unsere Ökosysteme zerstört und etwa für ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.

Gibt es auch positive Entwicklungen?

Ja, die Agrarökologie zum Beispiel verbreitet sich mehr und mehr. Sogar einige Regierungen setzen sich inzwischen dafür ein und ändern Gesetze. Die Knappheit von Düngemitteln wegen des Iran-Kriegs führt dazu, dass selbst Finanzinstitute beginnen, sich für Agrarökologie zu interessieren. Die Entwicklung ist zwar nicht geradlinig, aber es findet durchaus ein Wandel statt. Als Beispiel dafür können auch Städte wie New York dienen, wo es Pläne für Lebensmittelläden und Restaurants gibt, die den üblichen Marktmechanismen entzogen sind.

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