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Kenia

Freudige Begrüssung durch die Solidaritätsgruppe der «Wilden Hasen».

Quelle: Christian Heuss

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25.07.2026

Kenia, Agrarökologie, bestärkend

Die «Wilden Hasen» von Makueni

Küchengärten, Bewässerungssysteme und gemeinsames Sparen: Die von Fastenaktion unterstützten Solidaritätsgruppen in Kenia verbessern das Leben zahlreicher kleinbäuerlicher Familien. Wir haben eine dieser Gruppen besucht.

Autor

Christian Heuss, Kommunikation Alliance Sufosec

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Sanddämme gegen Trockenheit

Die kenianische Partnerorganisation Utooni konstruiert deshalb schon seit über 20 Jahren Sanddämme in der Region (damals noch nicht von Fastenaktion mitfinanziert). Diese Sandbanken hinter betonierten Wasserschwellen helfen, das wenige Wasser des Flussbetts zurückzuhalten und zu speichern. In trockeneren Zeiten erleichtern sie die Wasserversorgung der kleinbäuerlichen Familien in der Umgebung.

«Leider sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche bäuerliche Traditionen verloren gegangen», sagt Stellamaris. Viele Grossmütter hätten als junge Frauen vor ihrem Haus noch Gemüsegärten und Obstbäume gepflegt; die Familien konnten sich weitgehend selbst versorgen. «Doch die Prioritäten der Menschen haben sich auch hier verschoben, die Vielfalt der Ernährung hat gelitten.»

Utooni reaktiviert diese bäuerlichen Traditionen und erweitert sie unterstützt von Fastenaktion mit einem agrarökologischen Ansatz, der langfristig eine ausgewogene Ernährung bringt und die Felder auch in Dürrezeiten besser schützt.

Eindrücke vom Besuch bei den «Wilden Hasen»

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Sandbanken hinter betonierten Wasserschwellen helfen, das wenige Wasser des Flussbetts zurückzuhalten und für die Bewässerung von Feldern zu speichern.

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Alle Mitglieder der Solidaritätsgruppe pflegen um ihr Haus zusätzlich einen kleinen Küchengarten mit Gemüse.

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Rebecca Kyalo präsentiert ihren Hahn.

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Die Hühner und ihre Eier sind eine zusätzliche Einkommensquelle für die Familie.

Ein Hof, eine Gruppe, ein Plan

Ein schlammiger Weg führt uns zum Hof von Rebecca Kyalo und ihrem Mann Kyalo Matate. Sie und die anderen Mitglieder der «Wilden Hasen» – einer lokalen Solidaritätsgruppe – begrüssen uns ausgelassen, trotz oder vielleicht gerade wegen dem feuchtnassen Wetter. Rebecca und Kyalo haben extra mit dem Setzen des Spinats auf uns gewartet, doch nun droht der Regen, das vorbereitete Pflanzbeet zu überschwemmen. Wir ziehen uns rasch Gummistiefel über, damit unsere Schuhe nicht im lehmig-matschigen Erdboden steckenbleiben.

Mit einem kurzen Stecken bohrt Rebecca von Hand ein Loch nach dem anderen in die Erde und pflanzt die Setzlinge, jeweils diagonal versetzt im Abstand von 30 cm. «Dadurch haben wir eine bessere Kontrolle über Schädlinge», erklärt Rebecca beim Setzen. Seit sie Mitglied der Solidaritätsgruppe ist, verzichtet sie ganz auf Insektizide. «Wir haben gelernt, wie wir unsere Pflanzen mit einfachen Mitteln schützen können.» Dazu gehören zum Beispiel ein Aschensud, oder zerbrochene Eierschalen und Salzkörner gegen Schnecken.

Was sind Solidaritätsgruppen?

In Solidaritätsgruppen zahlen die Mitglieder Beträge in Form von Geld oder Grundnahrungsmitteln in eine gemeinsame Kasse ein. Daraus können sie günstige oder gar zinslose Darlehen für Grundbedürfnisse wie die Begleichung von Schulgebühren, Gesundheitsausgaben oder den Kauf von Nahrungsmitteln aufnehmen. 

Auch bei Notfällen kann Geld oder Getreide geliehen werden, denn nicht Profit, sondern Solidarität und Absicherung stehen an erster Stelle. Fastenaktion finanziert jeweils Ausbildung und Begleitung der Gruppen, die durch lokale Fachpersonen geschieht, zahlt aber selbst nichts in die Kassen ein. 

Die Solidaritätsgruppen sind auf die kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Länder abgestimmt. Und sie reduzieren den Hunger zuverlässig und nachhaltig, wie eine Wirkungsstudie 2019 (auf Englisch) zeigte. 

Investition in Schatten und Boden

Rebecca erzählt, dass die Büsche und Bäume des Waldgartens in sieben Ebenen angelegt sind: Höher wachsende Bäume bieten Schutz als Windbrecher. Mango- und Zitronenbäume schaffen Schattenräume für Granatapfelsträuche und Rosmarinkräuter. Unter der Erde wachsen Maniok oder Pfeilwurz. Und als Bodenbedecker zum Schutz vor Trockenheit pflanzt das Paar Kürbis. Stolz präsentieren Rebecca und Kyalo eine bald reife Riesenpassionsfrucht, die entlang eines Moringabaums als Kletterpflanze in die Höhe wächst.

Die sorgfältige Kombination von Pflanzen und Bäumen ermöglicht nicht nur eine abwechslungsreiche Ernährung – sie schützt die landwirtschaftliche Fläche vor Trockenheit und Bodenerosion, fördert die Biodiversität und stabilisiert den Nährstoffhaushalt. So bleiben die Böden fruchtbar. Und wenn die kleinbäuerlichen Familien Fragen zu Pflanzungen oder Probleme mit Schädlingen haben, unterstützt Maurice Kyalo sie. Im Auftrag von Utooni versorgt der Landwirtschaftsexperte sechs Solidaritätsgruppen mit insgesamt etwa 120 Bäuerinnen und Bauern mit Wissen zum agrarökologischen Anbau. Fast wöchentlich besucht er jede der Familien in der Umgebung.

 

Der Autor dieser Reportage

Christian Heuss leitet die Agentur Die WissensWandler und koordiniert die Kommunikation der Alliance Sufosec. Zu dieser Schweizer Allianz für nachhaltige Ernährung weltweit gehören neben Fastenaktion auch Swissaid, Vétérinaires sans Frontières Suisse, Vivamos, Aqua Alimenta und Skat Foundation. Christian Heuss bewegt sich seit über 25 Jahren an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft und Medien. Als Redaktionsleiter hat er für Schweizer Radio SRF Themen aus Forschung und Wissenschaft aufbereitet.

Würde und Selbstvertrauen

Vor dem Haus haben sich in der Zwischenzeit die «Wilden Hasen» in einem Kreis versammelt. Die Solidaritätsgruppe besteht zu mehr als zwei Dritteln aus Frauen. Reihum erzählen sie über ihren gemeinsamen Lernweg zu agrarökologischen Methoden: von den Küchengarten-Beeten über die Verwendung von Kompost als Dünger bis zum Food Forest nach dem Sieben-Schichten-Prinzip. Und mit Stolz erklären sie ihr Spar- und Kreditsystem, dank dem die einzelnen Mitglieder auch bei Engpässen Schulgeld oder Gesundheitsausgaben finanzieren können.

Eines darf bei solchen Treffen nie fehlen: das gemeinsame Essen. Wir sitzen zusammen, essen Pfeilwurz und Maniok, teilen Mangos und lachen über die dreckigen Stiefel. In solchen Momenten wird sichtbar, worum es in der Agrarökologie auch geht: um Würde, um Selbstvertrauen – und um Gemeinschaft. Die «Wilden Hasen» nennen es gemeinsames Lernen. Es fühlt sich an wie eine hoffnungsvolle Zukunft.

Erfahren Sie hier mehr über unsere Arbeit in Kenia.

 

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