Die philippinische Kleinbäuerin Avelira Libres nutzt agrarökologische Techniken auf ihrem Land.
Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten zeigt, wie abhängig die Welt noch immer von fossiler Energie ist – und dies trotz der jahrelangen Bemühungen, erneuerbare Energien zu fördern, um die Klimaerwärmung zu bremsen. Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist Erdöl zwischenzeitlich bis zu 60 Prozent teurer geworden, entsprechend haben sich überall auch die Preise für Heizöl, Benzin, Diesel und Kerosin erhöht. Stark gestiegen sind auch die Gas- und Düngerpreise.
Je nach dem, wie lange der Krieg noch dauert, ist das mit enormen Zusatzkosten verbunden: Für die Schweiz rechnet ein ETH-Experte laut dem «Tages-Anzeiger» mit vier bis fünf Milliarden Franken und einem Rückgang des Wirtschaftswachstums bis zu 0.3 Prozent. Das britische Politmagazin «Economist» rechnet derweil vor, dass es aus logistischen Gründen Monate dauern wird, bis sich die Marktlage wieder beruhigt, selbst falls der Krieg morgen enden würde.
Was für reiche Länder wie die Schweiz äusserst unerfreulich ist, trifft die weniger wohlhabenden Menschen im Globalen Süden sehr viel existenzieller. Das Welternährungsprogramm der Uno warnte, dass die Zahl der Menschen, die Hunger leiden, 2026 Rekordhöhen erreichen könnte, wenn der Konflikt nicht bald ende.
Nicht nur Benzin, auch Dünger wird knapp
Ein Grund dafür ist auch, dass durch die derzeit weitgehend blockierte Strasse von Hormuz im Persischen Golf nicht nur Öl und Gas, sondern auch wichtiges Rohmaterial für Dünger transportiert wird. Einige afrikanische Länder wie Kenia, Tansania oder Somalia importieren laut dem «Economist» mehr als ein Viertel ihrer Düngemittel aus der Golfregion.
In den Philippinen derweil hat der Präsident eine nationale Energienotlage ausgerufen. «Der Benzinpreis dort hat sich innerhalb von zwei Wochen fast verdoppelt», berichtet Natacha Forte, die bei Fastenaktion für die Arbeit in dem südostasiatischen Inselstaat zuständig ist. «Nicht nur sind dadurch aktuell viel weniger Leute mit dem Auto unterwegs, der Benzinmangel hat zahlreiche weitere Preise erhöht, auch für Lebensmittel. Unsere Partnerorganisationen überlegen derzeit, wie sie ihre Aktivitäten priorisieren können, um sich an die neuen Kosten anzupassen. Sie diskutieren zum Beispiel, einzelne Besprechungen vermehrt online abzuhalten.» Vergangene Woche streikten in Manila zudem die Mitarbeitenden unterschiedlicher Transportunternehmen und verlangten unter anderem Steuersenkungen, um den Benzinpreis etwas zu reduzieren.
Die nepalesische Kleinbäuerin Mamata B.K. bei der Arbeit auf ihrem Feld.
Asiatische Länder besonders betroffen
Ein ähnliches Bild bietet sich in Laos: «An den Tankstellen, die noch Benzin haben, bilden sich riesige Schlangen», sagt Valérie Lange, die Landesverantwortliche bei Fastenaktion. «Viele Tankstellen sind ganz geschlossen, weil sie schlicht kein Benzin mehr haben. Wenn diese Krise nicht bald endet, können unsere Partner nicht mehr in die Dörfer fahren, um ihre Aktivitäten durchzuführen.»
Asiatische Länder sind vom aktuellen Konflikt besonders betroffen, weil viele ihr Öl und Gas aus der Golfregion beziehen. Zudem arbeiten Millionen asiatischer Gastarbeiter:innen in der Golfregion und schicken regelmässig Geld nach Hause – dies betrifft neben den Philippinen auch Nepal, ein anderes Land, in dem Fastenaktion arbeitet. Viele Familien dort sorgen sich nicht nur um die Sicherheit ihrer Angehörigen, sondern müssen auch damit rechnen, für einige Zeit weniger Geld von ihnen zu erhalten. «Diese Überweisungen entsprechen rund einem Viertel der nepalesischen Wirtschaftsleistung», sagt Katrin Rosenberg, die Programmverantwortliche für Nepal. «Entsprechend gross ist die Sorge deswegen.»
Hungerkrise verschärft sich wieder
Aber auch in anderen Teilen der Welt bekommen die Ärmsten die Folgen des Iran-Kriegs und anderer Konflikte ganz direkt zu spüren: Wenn die Preise für Lebensmittel steigen, müssen viele hungern – oder sich noch stärker verschulden, um genug zu essen für ihre Familien zu haben. Weil die Zahl der Konflikte in den letzten Jahren zugenommen hat, verschärft sich in einigen Regionen der Welt auch die Hungerkrise wieder; das Ziel der Uno, den Hunger bis 2030 weltweit zu besiegen, ist kaum noch zu erreichen. Und der neue Konflikt um den Iran erschwert die Lage zusätzlich.
Doch auch wenn unsere Partnerorganisationen im Globalen Süden diese Folgen nun ebenfalls spüren, sind die Menschen in den Projekten von Fastenaktion im Vorteil gegenüber anderen: Die meisten können sich und ihre Familien gut mit Lebensmitteln versorgen, weil sie dank den agrarökologischen Anbaumethoden mit eigenem Saatgut und selbsthergestelltem biologischem Dünger weiterhin ausreichende Ernten haben. Oft gibt es sogar Überschüsse, die sie verkaufen können.
«Die Ansätze von Fastenaktion sind wirksam und fördern erst noch die Widerstandsfähigkeit in Krisensituationen.»
Diese lokale Produktion ist aktuell Gold wert, denn sie funktioniert auch bei unterbrochenen Lieferketten und steigenden Benzinpreisen. «Der Aufbau lokaler Ernährungssouveränität ist eine langfristige Antwort auf die zunehmenden globalen Krisen», betont Bembet Madrid, die Koordinatorin von Fastenaktion in den Philippinen. «Sie hilft Gemeinschaften, trotz externer Schocks stabil zu bleiben, und ermöglicht ihnen, ihr Recht auf eine würdige Existenzgrundlage zu verteidigen.»
Hilfreich sind in dieser Situation auch die Solidaritätsgruppen, die wir mit unseren lokalen Partnerorganisationen in mehreren Ländern unterstützen. Aus der gemeinsamen Sparkasse können die Gruppenmitglieder in Notfällen kleine, oft zinslose Kredite beziehen – so können sich die Menschen auch jetzt Lebensmittel leisten, ohne sich bei Kredithaien zu Wucherzinsen verschulden zu müssen.
Erneuerbare Energien weltweit vorantreiben
Daneben fördert Fastenaktion in einigen Ländern auch die lokale Produktion von erneuerbarer Energie, etwa um ausreichend Strom für Haushalte oder die Verarbeitung von Lebensmitteln zu generieren. Auch dies erweist sich aktuell als grosser Vorteil – und illustriert, wie wichtig es ist, die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen weltweit voranzutreiben und die Abhängigkeit von fossiler Energie weiter zu reduzieren.
Für Bembet Madrid zeigt all dies einmal mehr: «Die Ansätze von Fastenaktion sind wirksam und fördern erst noch die Widerstandsfähigkeit in Krisensituationen.»