
Herlyn Amparo Rojas Cruz beteiligt sich an der Gruppe, weil sie es wichtig findet, dass junge Menschen mit gutem Beispiel vorangehen.
Die 4S stehen auf Deutsch übersetzt für Gesundheit, Wissen, Gefühle sowie Dienst an der Gemeinschaft. Und wer Mitglied in einem der Clubs in Jalapa im Süden Guatemalas ist, verspricht «auf meine Gesundheit zu achten, um glücklich zu sein, mein Wissen zum Wohle anderer einzusetzen, die edelsten Gefühle in meinem Herzen zu bewahren und immer im Dienst meiner Mitmenschen zu stehen».
Die Clubs sind ein Bildungsprogramm für junge Menschen in ländlichen Gebieten und werden von AGRIVIDI/Flor del Café organisiert, einer Partnerorganisation von Fastenaktion in Guatemala. Mittlerweile gibt es acht Clubs in der Region, in denen sich 65 junge Leute regelmässig versammeln.
Ideen für eigene Unternehmen
Die 16-jährige Herlyn Amparo Rojas Cruz beteiligt sich, «weil wir als Gruppe viel für das Wohl unserer Familien und unserer Gemeinschaft tun können, in dem wir als junge Menschen mit gutem Beispiel vorangehen». Und seither hat sich einiges verbessert in ihrem Leben. «Ich habe zum Beispiel gelernt, wie aus der Landwirtschaft eigene Unternehmen entstehen. Das hilft mir dabei, Ideen zu entwickeln, um eigenes Geld verdienen.»
Mehr und gesündere Lebensmittel
Zudem durfte sie früher ihr Elternhaus kaum verlassen. «Ich bin die Älteste und kümmere mich um meine Geschwister und das Haus, wenn niemand da ist.» Doch dank des 4S-Clubs kann sie nun regelmässig an Workshops teilnehmen. «Danach teile ich mit meiner Familie, was ich gelernt habe, und inzwischen sind meine Eltern etwas lockerer geworden.»
Sie hilft aber auch auf dem Feld mit, und ihr neues Wissen hat die landwirtschaftliche Arbeit der Familie verändert. «Dank der agrarökologischen Anbaumethoden können wir heute mehr und gesündere Lebensmittel ernten – die Hälfte nutzen wir selbst, die andere können wir verkaufen und damit Geld verdienen.»
In der wenigen Freizeit, die Herlyn hat, stickt sie und schaut Fussball. Auch die anderen jungen Leute berichten, dass sie kaum Zeit für Hobbys haben und nutzen das bisschen meist für Musik oder Sport. Generell sind sie jedoch mit der Feldarbeit und dem Engagement im 4S-Club ziemlich ausgelastet.

Optimistisch für die Zukunft: Die Jugendgruppe mit Elsa Mariela Castrillo Raymundo (ganz links), Herlyn Amparo Rojas Cruz (vierte von links), Marvin Josué Cruz Aguilar (vorne links) und Yeison Elisandro Hernández Galicia (vorne rechts).
Aus Misserfolgen lernen
Der intensive Austausch mit anderen Jugendlichen führt zu neuen Freundschaften, vor allem aber zu einer grossen Erweiterung ihres Wissens. «Wir tauschen Ideen aus, um die Produktion zu verbessern, wir teilen unsere Ideale und sprechen über unsere Erfolge und Misserfolge», erklärt die 17-jährige Elsa Mariela Castrillo Raymundo. «Dadurch habe ich auch gelernt, dass Misserfolge nur Teil eines Prozesses sind und ich mich deswegen nicht entmutigen lassen sollte.»
Auch die Ernährung hat sich durch die Teilnahme im Club bei allen verbessert: «Wir haben früher viel mehr verarbeitete Lebensmittel konsumiert», sagt der junge Familienvater Yeison Elisandro Hernández Galicia (24). «Im Club haben wir viel über die Zubereitung gesünderer Lebensmittel gelernt, heute ernähren wir uns vor allem von Früchten und Gemüse von unserem eigenen Land.»
Yeison hält die Workshops gerade für junge Leute für enorm wichtig: «Wir sind die Zukunft unserer Gemeinschaft. Wenn wir eine bessere Zukunft wollen, müssen wir Vorbild für die nachfolgenden Generationen sein, indem wir agrarökologische Techniken anwenden.»
Perspektiven aufzeigen, Landflucht verhindern
Die Clubs sollen den jungen Leuten ausserdem aufzeigen, dass es auch bei ihnen auf dem Land gute Zukunftsperspektiven gibt. Denn in den letzten Jahren haben viele die Region verlassen, gingen nach Guatemala-Stadt oder gar in die USA – letzteres oft unter lebensgefährlichen Umständen. «Sie gehen, weil es schwierig ist, hier Arbeit zu finden und sie kein Interesse an Feldarbeit haben», sagt Marvin Josué Cruz Aguilar (23). «Aber auch dort läuft nicht immer alles gut für sie.» Er selbst hingegen sieht dank der Club-Mitgliedschaft nun durchaus Perspektiven in seiner Heimat.
Andere bleiben auch, weil sie in der Nähe ihrer Familien sein möchten. Mariela hatte eigentlich vor, mit ihrem Bruder in die USA auszuwandern, doch im entscheidenden Moment fehlte es an Geld. «Inzwischen denke ich, dass wir hier besser leben können, wenn wir richtig produzieren und damit ein gutes Einkommen erzielen.»
Alle vier haben klare Vorstellungen für ihre eigene Zukunft – und sind hoffnungsvoll, dies auch erreichen zu können. Herlyn möchte ein eigenes Restaurant betreiben, «damit die Bauern meiner Gemeinde ihre Produkte nicht mehr auf den Markt bringen müssen, sondern ich sie ihnen abkaufen kann. Das würde auch Arbeitsplätze in meiner Gemeinde schaffen.» Mariela will einen eigenen Laden für Blumen und Handwerksprodukte eröffnen, «um meiner Familie zu helfen».
«Ich möchte andere junge Menschen dabei unterstützen, sich ebenfalls für ihre Familie und ihre Gemeinschaft einzusetzen.»
Yeison plant neben der Landwirtschaft noch ein Unternehmen mit Stickereiprodukten zu betreiben, denn «dafür gibt es ein grosses Marktpotenzial in unserer Region». Marvin derweil setzt ganz auf die Landwirtschaft, sowohl mit modernen Anbaumethoden als auch mit dem traditionellen Wissen der Grosseltern. «Und ich möchte andere junge Menschen dabei unterstützen, sich ebenfalls für ihre Familie und ihre Gemeinschaft einzusetzen.»
So haben sie alle in den 4S-Clubs von Flor del Café Perspektiven für sich und ihre Gemeinschaften entwickelt – Perspektiven, die ihnen Kraft geben und sie hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lassen.


