
Khonemany Innoukham hat die Aktivitäten von Fastenaktion in Laos seit 2017 koordiniert.
Khonemany, was bedeutet der Rückzug von Fastenaktion für die Menschen und Partnerorganisationen, die wir in Laos unterstützt haben?
Es ist ein erheblicher Rückschlag. Für die Gemeinden bedeutet dies den Verlust eines langjährigen Partners, der den lokalen Kontext verstanden und geduldig am Aufbau von Gemeinschaftsstrukturen gearbeitet hat. Für die Partnerorganisationen bedeutet es nicht nur den Verlust von Finanzmitteln, sondern auch von fachlicher Unterstützung innerhalb eines grossen Netzwerks von Organisationen sowie von institutioneller Rückendeckung. Der Rückzug birgt die Gefahr, dass hart erkämpfte Fortschritte zunichte gemacht werden, insbesondere in den entlegensten Gebieten, in denen derzeit sonst keine andere NGO präsent ist.
Wie haben die Menschen auf die Nachricht des Rückzugs reagiert?
Sie waren schockiert und verängstigt. Für die meisten Partnerorganisationen war Fastenaktion nicht nur Geldgeberin, sondern das Fundament, auf dem ihre gesamte Arbeit ruhte. Ohne sie sehen sie keine Möglichkeit, ihre Gemeinden weiterhin zu unterstützen. Erschwerend kommt hinzu, dass einige bäuerliche Gemeinschaften ihren Weg mit dem Projekt gerade erst begonnen hatten – voller Hoffnung und voller noch unerfüllter Bedürfnisse. Die Frage, wie man ihnen diese Hiobsbotschaft überbringen sollte, lastete schwer auf allen.
Weshalb Fastenaktion sich aus Laos zurückzieht
«Der Entscheid zur Schliessung des Landesprogramms in Laos ist uns nicht leichtgefallen», sagt Markus Brun, Bereichsleiter Internationale Zusammenarbeit sowie Mitglied der Geschäftsleitung von Fastenaktion. «Doch leider hat die DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) den Beitrag des Bundes an Fastenaktion auf Anfang 2025 um deutlich über eine halbe Million gekürzt und weitere Sparrunden angekündigt. Eine derart grosse Reduktion lässt sich nicht mit kleinen Kürzungen bei allen Programmen auffangen.»
Dass es am Ende Laos traf, habe mit der Effizienz des Mitteleinsatzes zu tun. «Das Programm hat sich in den letzten Jahren erfreulich entwickelt, und es ist gemeinsam mit den lokalen Partnerorganisationen gelungen, die Ernährungssituation ärmster Bevölkerungsschichten zu verbessern», sagt Markus Brun. «Doch die Kontrolle der Zivilgesellschaft durch den laotischen Staat ist äusserst ausgeprägt und generiert bei den Projekten erzwungenermassen hohe Zusatzkosten, weil Staatsfunktionäre die Projekte auf dessen Kosten besuchen. Hinzu kommen umständliche Projektbewilligungsprozeduren, die immer wieder zu grossen Verzögerungen führen.»
Fast drei Jahre Zeit, den Übergang zu organisieren
Der Entscheid zur Schliessung per Ende 2026 wurde bereits Anfang 2024 gefällt – kurz nach dem Beschluss der DEZA. Somit blieben den Partnerorganisationen beinahe drei Jahre, um sich auf die neue Situation einzustellen und sich neue Geldquellen zu erschliessen. Fastenaktion finanzierte zusätzliche Weiterbildungen und nutzte eigene Kontakte, um das Interesse anderer Geberinstitutionen zu fördern – in einigen Fällen mit Erfolg.
Bereits Ende 2020 sah Fastenaktion sich aus finanziellen Gründen gezwungen, die Landesprogramme in Brasilien und Südafrika zu schliessen. Allerdings konnten wir damals einige Partnerorganisationen in zwei unserer Internationalen Programme übernehmen (Ernährungsgerechtigkeit, Rohstoffgerechtigkeit). Wir hoffen, keine weiteren Landesprogramme schliessen zu müssen, können dies angesichts der angekündigten drastischen Sparmassnahmen des Bundes jedoch leider nicht ausschliessen. Dessen Beiträge für die öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit finanzieren gut 30 Prozent des Auslandsbudgets von Fastenaktion.

Khonemany beim Besuch eines Projekts, in dem mit agrarökologischen Anbaumethoden gearbeitet wird.
Wie stellen wir sicher, dass unsere Arbeit dort in irgendeiner Form weitergeht?
Wir tun alles, was in unserer Macht steht: Das Ziel ist ein verantwortungsvoller Ausstieg – kein plötzliches Verschwinden. So stehen wir seit über zwei Jahren im aktiven Dialog mit anderen NGOs und potenziellen Finanzierungspartnern, welche die Unterstützung unserer Partnerorganisationen fortsetzen könnten. Und wir arbeiten daran, Wissen weiterzugeben, damit die Partnerorganisationen über die Instrumente und Netzwerke verfügen, eigenständig weiterzumachen. Hinzu kommen finanzielle Zuschüsse, um sie dabei zu unterstützen, neue mögliche Geldgeber zu identifizieren und anzusprechen.
Haben sich schon andere NGOs gefunden, die übernehmen?
Eine vollständige Übernahme wird schwierig sein, aber wir sehen Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit Bread for the World und Helvetas. Letztere ist seit 2001 in Laos tätig und in den meisten Provinzen aktiv, insbesondere aber in ländlichen Gemeinden im bergigen Norden. Dabei konzentrieren sie sich auf nachhaltige Landwirtschaft, Klimaresilienz, Handel, Jugendunternehmertum und Interessenvertretung – Bereiche, die sich erheblich mit unseren überschneiden. Wir stehen mit ihnen und anderen Organisationen in Kontakt. Zudem unternehmen die Partner selbst grosse Anstrengungen, um ihre eigenen Kontakte auszubauen. Allerdings war Fastenaktion vor allem in den entlegensten und am stärksten benachteiligten Gemeinden aktiv – und genau diese sind am schwersten zu erreichen. Eine vollständige Übergabe ist also nicht garantiert.
Was haben wir insgesamt mit unserer Arbeit in Laos erreicht?
Die Erfolge sind real und greifbar. Tausende kleinbäuerliche Familien – insbesondere Frauen – haben nun Wissen und Fähigkeiten in der nachhaltigen Landwirtschaft und für die Netzwerkbildung. Sie können heute ihren Zugang zu Land und Wäldern besser sichern und ihre Ressourcen nachhaltig verwalten. Diverse lokale Partnerorganisationen sind in ihren Regionen anerkannte Akteure. Wir haben auch zu einem Wandel im Verhältnis der Geschlechter beigetragen: Frauen haben bei Entscheidungen im Haushalt und in der Gemeinschaft mehr Mitspracherecht als zu Beginn unserer Arbeit. Und wir haben eine Methodik aufgebaut, von der andere lernen können. Das ist ein Vermächtnis, das es zu bewahren gilt.
Was muss sich trotz aller Fortschritte noch weiter verbessern?
Die chronische Unterernährung ist nach wie vor nicht völlig überwunden, insbesondere bei Frauen und Kindern. Auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen der Klimaerwärmung ist fragil – eine einzige schlechte Ernte kann jahrelange Fortschritte zunichtemachen. Die Landrechte wurden zwar gestärkt, sind aber in den meisten Gemeinden noch nicht stabil genug abgesichert. Die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen hat zwar zugenommen, doch die strukturelle Ungleichheit der Geschlechter ist tief verwurzelt, und der Wandel vollzieht sich nur langsam. Zudem bedrohen grossflächige Landkonzessionen und Monokulturen weiterhin die Lebensgrundlagen. Der Bedarf an weiterer Unterstützung steht ausser Frage.

Den Familien, die an Projekten von Fastenaktion teilnehmen konnten, geht es deutlich besser als den anderen.
Wie ist die generelle Lage im Land?
Laos gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Und die Aktivitäten der Regierung, um dies zu ändern, sind mit hohen Kosten für die Menschen und die Natur verbunden. Wo einst artenreiche Wälder standen, prägen heute Monokulturen und Wasserkraftwerke die Landschaft. Hitze, anhaltende Dürre und Starkregen machen die Ernten zunehmend unberechenbar, die Reisvorräte reichen oft nur für die Hälfte des Jahres. Die schwerste Last tragen die ethnischen Minderheiten in den Bergregionen, da sie oft von Märkten, Versorgungsangeboten und politischer Mitsprache abgeschnitten sind.
Geht es den Menschen in unseren Projekten besser als denen, die keine solche Unterstützung erhalten?
Ja, wir sehen deutliche Unterschiede. Sie haben eine bessere, sicherere Ernährung, bewirtschaften ihre Felder und anderen Ressourcen nachhaltiger und sind dank Agrarökologie besser gerüstet, um mit Klimaschocks umzugehen.
Du koordinierst die Aktivitäten von Fastenaktion in Laos seit 2017. Was war dir dabei besonders wichtig?
Zu den wichtigsten Aufgaben gehörte es, eine effektive Kommunikation und gegenseitiges Verständnis zwischen den Partnerorganisationen, den Gemeinschaften und Fastenaktion sicherzustellen. Zentral war zudem die Vernetzung zwischen den Partnerorganisationen, um den Austausch von Wissen und Kompetenzen zu erleichtern. Dieser Beziehungsaufbau hat mir auch immer Freude gemacht. Vor allem aber war es schön zu beobachten, wie Menschen Selbstvertrauen und Handlungsfähigkeit gewinnen. Und zu erleben, wie sich der Umgang zwischen den Geschlechtern langsam zum Positiven entwickelte. Es war ein Privileg, diese Prozesse über so viele Jahre hinweg begleiten zu können.
Was waren deine ersten Gedanken, als du vom Rückzug von Fastenaktion erfuhrst?
Ich war schockiert, traurig und fragte mich auch, was wohl dazu geführt hatte. Ausserdem machte ich mir Sorgen um die Menschen und Partner, die davon betroffen sein würden.
«Ich hoffe sehr, dass die gesäten Samen auch ohne die Präsenz von Fastenaktion weiterwachsen werden.»

Fastenaktion bemüht sich, den Menschen von Ban Pasing den Übergang zu erleichtern.
Wie fühlt es sich heute an, über zwei Jahre später?
Die Traurigkeit bleibt, Abschied zu nehmen ist nie einfach. Wir haben hier etwas Echtes aufgebaut – Beziehungen, Vertrauen und viele positive Veränderungen für diese abgelegenen Gemeinden und ihre Menschen. Darauf können wir stolz sein. Aber ich spüre auch eine grosse Verantwortung und setze mich dafür ein, dass dieser Übergang nun mit derselben Sorgfalt und Integrität geschieht, die wir bei allem anderen an den Tag gelegt haben. Ich hoffe sehr, dass die gesäten Samen auch ohne die Präsenz von Fastenaktion weiterwachsen werden.
Weisst du schon, wie es für dich ab nächstem Jahr weitergeht?
Für mich ist es eher der Beginn eines neuen Kapitels als ein Ende. Ich werde unsere Partnerorganisationen weiterhin nach Kräften unterstützen und mich als Beraterin in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren. Ausserdem bereite ich die Gründung meines eigenen Lernzentrums vor – eine Brücke für Gemeinschaften zum Wissens- und Erfahrungsaustausch.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Weshalb zieht sich Fastenaktion aus Laos zurück?
Die Kürzungen der DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) zwingen auch Fastenaktion zum Sparen. Dass es von unseren Landesprogrammen gerade Laos traf, hat mit der Effizienz des Mitteleinsatzes zu tun. Zwar hat sich das Programm in den letzten Jahren erfreulich entwickelt, doch die Kontrolle der Zivilgesellschaft durch den laotischen Staat ist äusserst ausgeprägt und generiert bei den Projekten hohe Zusatzkosten, weil Staatsfunktionäre die Projekte auf dessen Kosten besuchen. Hinzu kommen umständliche Projektbewilligungsprozeduren, die immer wieder zu grossen Verzögerungen führen.
Was bedeutet dieser Rückzug für die Menschen in Laos?
Es ist ein erheblicher Rückschlag. Für die Gemeinden bedeutet dies den Verlust eines langjährigen Partners, der den lokalen Kontext verstanden und geduldig am Aufbau von Gemeinschaftsstrukturen gearbeitet hat. Für die Partnerorganisationen bedeutet es nicht nur den Verlust von Finanzmitteln, sondern auch von fachlicher Unterstützung und institutioneller Rückendeckung. Der Rückzug birgt die Gefahr, dass hart erkämpfte Fortschritte zunichte gemacht werden.
Wie stellen wir sicher, dass unsere Arbeit dort in irgendeiner Form weitergeht?
Unser Ziel ist ein verantwortungsvoller Ausstieg. So stehen wir seit über zwei Jahren im aktiven Dialog mit anderen NGOs wie Bread for the World und Helvetas sowie mit potenziellen Finanzierungspartnern, welche die Unterstützung unserer Partnerorganisationen fortsetzen könnten. Und wir arbeiten daran, Wissen weiterzugeben, damit die Partnerorganisationen über die Instrumente und Netzwerke verfügen, eigenständig weiterzumachen. Hinzu kommen finanzielle Zuschüsse.


