
Alongu Doka Marie hat sich mit anderen Bäuerinnen zusammengetan. Gemeinsam bauen sie Nahrungsmittel an und unterstützen sich gegenseitig.
Die Demokratische Republik Kongo, das zweitgrösste Land Afrikas, wird seit bald 30 Jahren von bewaffneten Konflikten gebeutelt. Der Ursprung der Auseinandersetzung geht bis in die belgische Kolonialzeit zurück. Auch der Völkermord im Nachbarland Ruanda 1994 hat zur heutigen Krise im Kongo beigetragen. Der schwache Staat, eine ineffiziente und korrupte Armee, die Ausbeutung von Rohstoffen und das mangelnde Engagement der internationalen Gemeinschaft sind weitere Faktoren, die es schwierig machen, den Konflikt zu lösen. Fastenaktion berichtete bereits 2024 über die Wurzeln der Krisen und ihre Auswirkungen. In den letzten Monaten eskalierte die Gewalt erneut.
Rebellen und Rohstoffe
Im Osten des Landes, an der Grenze zu Ruanda, macht die Rebellengruppe M23 (Mouvement du 23-Mars) der lokalen Bevölkerung das Leben schwer. Die Gruppierung, die sich hauptsächlich aus Angehörigen der Tutsi-Volksgruppe zusammensetzt, formierte sich 2012. Die M23 behauptet, die Interessen der kongolesischen Tutsi-Bevölkerung zu beschützen. Sie gilt jedoch vielmehr als Stellvertreterarmee Ruandas. Das Nachbarland hat es auf die wertvollen Rohstoffe in der DR Kongo abgesehen.
Erneute Gewalteskalation
Ende Januar und Anfang Februar 2025 nahm die M23 in kurzer Zeit die Metropolen Goma und Bukavu an der Grenze zu Ruanda ein. Die Hauptstädte der Provinzen Nord- und Süd-Kivu sind zentral für die Kontrolle der rohstoffreichen Gebiete des Ostens. UN-Berichten zufolge unterstützt Ruanda die M23 mit Waffen und bis zu 4’000 Soldaten. So setzten sich die Rebellen leicht gegen die kongolesische Armee und die UN-Friedensmission MONUSCO durch. Seit Jahresbeginn flohen über 400’000 Menschen aus der umkämpften Region, tausende von Zivilisten wurden bei den Kämpfen verletzt oder getötet. Der Bevölkerung fehlt es an medizinischer Versorgung, Nahrung, Strom und Wasser.
Steigende Preise, wachsende Not
Fastenaktion unterstützt 12 Partnerorganisationen im Westen und im Zentrum der DR Kongo. Der Konflikt im Osten scheint im riesigen Land (56-mal so gross wie die Schweiz) weit weg von unserem Wirkungsgebiet. Doch die unberechenbare Situation und die deswegen steigenden Benzin- und Lebensmittelpreise sind im ganzen Land spürbar. Ein Drittel der Kongolesinnen und Kongolesen ist von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, und vier von fünf Kindern sind chronisch mangelernährt.

Trotz der Krisen können Bäuerinnen wie Alongu durch unsere Projekte neue Hoffnung schöpfen und ihre Lebensbedingungen verbessern.
Ernährungssicherheit trotz Konflikt
Umso wichtiger ist es für die Bevölkerung, sich dank agrarökologischen Anbaumethoden und vielfältigerem Saatgut selbst versorgen zu können. Die Projekte der Partnerorganisationen von Fastenaktion erreichen direkt 13’735 und indirekt rund 143’100 Menschen, vor allem in ländlichen Gebieten. Die Bäuerinnen und Bauern schliessen sich zu Solidaritätsgruppen zusammen und helfen sich mittels zinsloser Kredite bei finanziellen Engpässen aus. Oder sie betreiben gemeinsam Felder und Fischteiche, wodurch sich die Ernährungssicherheit und -qualität verbessert.
So konnte die Unterernährung von über 10’000 Familien reduziert werden. Trotz aller Unsicherheiten und Krisen wird Fastenaktion auch in Zukunft im Kongo eine Konstante bleiben – mit langfristiger, wirkungsvoller Entwicklungszusammenarbeit, für eine gerechte Zukunft ohne Hunger.