
Feldarbeit mit agrarökologischen Techniken sind Teil der Schulungen unserer Partnerorganisation AMMID.
Reyna Cardona López wuchs im abgelegenen Hochland von Guatemala als älteste von sieben Geschwistern auf. «Ich wurde von meinem leiblichen Vater nicht anerkannt, aber mein Stiefvater hat mich wie eine eigene Tochter angenommen», erzählt die 21-Jährige ruhig. Ihre Familie lebt bescheiden: Die Mutter züchtet Tiere und verkauft Feuerholz und Kalk auf dem Markt, der Stiefvater arbeitet auf dem Feld und gelegentlich als Maurer.
Geld für weitere Ausbildung fehlte
Schon früh lernte Reyna, Verantwortung zu übernehmen. Mit 15 Jahren, nach dem Abschluss der Mittelstufe, musste sie ihre Ausbildung unterbrechen, weil das Geld für Miete, Schuluniformen und Unterrichtsmaterial fehlte.
Drei Jahre lang half sie ihrer Mutter im Haushalt und kümmerte sich um ihre jüngeren Geschwister. «Ich war wirklich frustriert. Ich liebe das Lernen, aber ich dachte, mein Traum sei vorbei», erinnert sie sich.
Neue Hoffnung durch AMMID
Eine unerwartete Wendung brachte dann neue Hoffnung: AMMID, eine Partnerorganisation von Fastenaktion, lud Reyna ein, an einer lokalen agrarökologischen Schule teilzunehmen. AMMID steht für Asociación Maya Mam de Investigación y Desarrollo (auf Deutsch «Vereinigung für Forschung und Entwicklung der Mam-Maya»). «Meine Mutter war schon Mitglied von AMMID und arbeitete in einer Baumschule mit. So kam auch ich dazu», erzählt Reyna.
In den Workshops lernte sie, wie man gesunde Lebensmittel anbaut, Tiere züchtet und organischen Dünger herstellt. Ebenso wichtig waren Schulungen zu Frauenrechten, Führungsqualitäten und Selbstwertgefühl. «Ich habe verstanden, wie wichtig es ist, unsere Mutter Erde zu achten und sie zu schützen. Wenn wir uns um Mutter Erde kümmern, kümmern wir uns um unser Leben», sagt sie überzeugt.

Die Ausbildungen haben Reynas Leben verändert. Sie schaut heute optimistisch in die Zukunft.
Vorbild für die jüngeren Geschwister
Das Programm bestärkte Reynas Wunsch weiterzulernen. Mit einem Stipendium von AMMID konnte sie schliesslich eine Ausbildung zur Lehrerin für zweisprachige interkulturelle Bildung beginnen.
«Ich bin glücklich, weil ich bald meinen Abschluss mache.» Doch weil die Jobaussichten in Guatemala trotzdem nicht allzu gut sind, überlegt sich Reyna weiterzustudieren. «Vielleicht Agrarökologie – das ist meine Leidenschaft», erklärt sie. Ihre Ausbildung hat nicht nur ihr eigenes Leben verändert, sondern auch das ihrer Familie und ihrer Gemeinschaft. Als erste in ihrer Familie, die einen Berufsabschluss erlangt, ist sie ein Vorbild für ihre jüngeren Geschwister.
Reyna ist Indigene Maya-Mam Frau und glaubt fest daran, dass Bildung und kulturelle Identität zusammengehören: «Das Studium stärkt unsere Sprache und Kultur. Wer seine Wurzeln kennt, kann viel zum Schutz der Natur und zu einem würdigen Leben beitragen.»
Andere junge Menschen ermutigen
Nach ihrem Abschluss möchte Reyna in ihrer Gemeinde unterrichten oder eigene Projekte aufbauen. «Ich möchte vielleicht mit anderen Frauen eine Baumschule gründen. AMMID unterstützt solche Initiativen sehr», erzählt sie. Ihre Vision: Jugendlichen Mut machen, an sich selbst zu glauben und ihre Kultur zu bewahren.
Auch wenn sie weiss, dass der Weg nicht einfach sein wird, bleibt sie optimistisch. «Ich hoffe, dass ich eines Tages als Lehrerin arbeite, um meiner Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Und wenn möglich, möchte ich mich weiterhin bei AMMID engagieren, um anderen jungen Menschen zu helfen, so wie sie mir geholfen haben.»


